Two Gallants

Cover TwoGallants
Gerade erst nach einem langen glorreichen Ritt durch Musicana vom durchgesessenen Sattel gestiegen, das von Lobhymnen erschöpfte Wildpferd “What the toll tells” zum Beschlagen der abgaloppierten Ehren-Hufe beim Schmied abgeliefert, um Amboß und Hammer und die Ohrensporen neu zu richten, und mal eben kurz im Saloon “John Pain” den Durst der staubtrockenen Präriekehlen gelöscht, schwingt sich das Duo Two Gallants gleich wieder auf, um bis zum nächsten echten Album-Shootout eine eindrucksvolle Farewell-Szenerie fünf begnadet schöner akustischer Songs auf dem Weg zum endlosen Horizont des Heldenruhms zu hinterlassen.

Butch Cassidy und Sundance Kid verlassen Young gun town Richtung Sunset City. Ein im Wind schaukelndes, knarrendes Holzschild am Ausgang des Städtchens winkt den wilden Herzen Goodbye und weit hinten, wo sich die Felsen auftürmen, schlagen sie ihr Lager auf zur Nacht. Knapp 30 Minuten Lagerfeuer-Romantik der grundehrlichen Handwerker-Art mit Gitarre, Cello, Violine, Mundharmonika und Schlagwerk. Und gleich vom ersten Ton an knistert es, das Feuer wärmt die Seele und das Licht erhellt die Gesichter. Selten war so viel milder Western in den Ohren.



Gegen diese glorreichen Gefühls-Halunken können selbst die schwulsten Oscar gekrönten Cowboys nicht anstinken. Ja, auch harte Männer weinen und sie tun das hier in aller Öffentlichkeit, ohne jedes falsche Schamgefühl und so Herz erweichend, Herz zerreißend, dass man am liebsten auf der Stelle am legendären Wounded knee begraben sein möchte.

Da streckt selbst das stärkste abgehalfterte Rauhbein die Waffen, wenn Piano und Harmonika um die letzte Ruhe heulen und den Verweile doch du bist so schön Moment anstimmen. “Linger on” ist definitiv der traurig-erhabene Abschied, den man als müder Macho am Ende seiner vergeblichen Kämpfe für Gerechtigkeit gesungen haben will. Ewige Jagdgründe der edelsten Sorte.

Das ist emotionales Cinemascope, das ist der Grand Canyon der Melancholie, das ist der letzte Indianer, der mit dem einsamen Wolf tanzt. 40 sengende Grad im Lebensschatten und trotzdem Gänsehaut die ganze verdammte Tonschlucht entlang. So erbarmungslos wie Desperado Clint Eastwood. Zwei schwarze Reiter-Silhouetten gehen in der Abendsonne unter. Irisblende. Abspann. “The next Grammy goes to…”

Aus der Schatzkiste: Two Gallants “What the toll tells”

Seelenverwandtschaften: The Gun Club, Jefferey Lee Pierce, Murder by death, Sixteen Horsepower, Woven Hand, Willard Grant Conspiracy

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