Iliketrains – Der Zug aus dem Dunkel

Ein erster Advent so düster wie lange keiner mehr. Nicht wegen Dauerregen und wütendem Sturm, sondern weil im CD-Player eine Scheibe aus dem Hades der Rockmusik dauerrotiert. Der Ohrtrommler ist hypnotisiert, narkotisiert, in Trance versetzt von einem Bandzug, der auf direktem Weg in die Finsternis fährt, in die Vergänglichkeit rauscht. Da hilft kein Lokführerstreik, der Sensenmann höchst selbst scheint Kohlen in diese Tender zu schaufeln. Heimtückisch, trügerisch der alte Galgenvogel, der lakonisch vorgibt, Züge zu mögen.

Nix da, mit Iliketrains schneit mitten in die beginnende Vorweihnachtszeit ein Soundschlitten herein, wie er schwerer und endgültiger beladen nicht sein kann. Hier ist kein gutmütiger Santa Claus zu lieben Kindern unterwegs, um geradewegs mit schönen Sachen durch den Kamin zu fahren. Da prescht Knecht Ruprecht mit dem Wunschzettel der Hölle durch die Gegend, um die Gerippe der Sünder einzusammeln. Nix Geschenke zur Bescherung, nein, das alter ego des geliebten Weihnachtsdeppen schwingt die schwere Rute, ach was die Knute der Bestrafung und Buße.

Das Rentier hat zwar Hörner, aber fatalerweise einen Pferdehuf. Was für ein Spuk ist dieses Werk. Ein rappelndes, klapperndes Skelett, an dem jeder einzelne Knochen Ehrfurcht gebietet. Death und sins lautet das morbide Vokabular, das sich in direkter Verwandtschaft zu Oberprediger David Eugene Edwards von Woven Hand befindet.

Zeitlupe und Sepia sind die Werkzeuge der Dämonen, die durch dieses kalte, menschenleere Gelände streifen. Gothic ist Kinderkrippe dagegen. Gänsehaut und kalter Schweiß auf der Stirn als ständige Begleiter der schwarzen Messe, die hier ausgiebig gefeiert wird. Satanische Verse Song für Song.

Willkommen auf einem nächtlichen Spaziergang über den Friedhof im Kleppermantel und mit hochgeschlagenem Kragen. Gespenstischer eisiger Nebel wabert dir Verlorenem durchs Gesicht und an jeder Ecke lauert einer mit der Schippe in den knochigen Griffeln, um dir deine letzte Ruhestätte zu schaufeln für einen Betrag, der weit unter Mindestlohn liegt.

Zombies schleifen ihre vor Kälte klirrenden Gitarren zwischen den Grabsteinen herum wie ehedem die leider fast vergessene Band And Also The Trees die einige ähnlich düstere Meisterwerke aus der Schattenwelt ans Licht transportierte. Auch sie mit so einem trügerisch romantischen Namen, der perfekte Täuschung ist und Tarnung für eine hemmungslos todessehnsüchtige Musik, die einen lähmt in dem Moment, in dem man sie hört. Die Sirenen der Ewigkeit. Das neue Werk der Bäume, abermals dem Thanatos geweiht, wird in Kürze auf zoolamar.com besprochen.

Aber zurück zur Sound gewordenen Beisetzungs-Zeremonie von Iliketrains. Die Band aus Leeds scheint ihr Leben im ewigen Probenkeller zu fristen und dort auch nur im Dunkel zu spielen. Licht fällt auf diese Song-Gespenster jedenfalls wenig, ab und zu mal ein kurzes Kerzenflackern, aber das ist auch dem Sturm ausgesetzt und damit zum Verlöschen verurteilt. Mein dringlicher Rat an Suizid Gefährdete: Ohren weg von dieser Musik oder Euer latenter Drang zum Brückenspringen oder zu Seilschlingen wird unausweichlicher Handlungszwang. Lasst Euch lieber ein paar Glücklichpillen verschreiben.

Das ist ein höchst gefährliches Mogwai-Gebräu, angereichert mit den Zutaten der depressiven “Meat is murder” -Phase von The Smiths, ein kräftiger Schuss “Closer” von Joy Division und alles abgeschmeckt mit den besagten hexerischen Alraunensäften von Also the trees.

Und die Gifte sind auch visuell unwiderstehlich aufbereitet in Videos von tödlich dosierten Songs wie “The Deception” “Spencer Perceval” “Terra Nova” “A rook house for Bobby” “The beeching report” und “Before the curtains close.”

Hier irgendwo lauert der jüngste Tag. Vorsicht Jenseits!!!

Video Clip The Deception von Iliketrains

Mehr Endzeitstimmung unter:
http://www.iliketrains.co.uk



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