Joy Division
Unknown Pleasures (1979) und Closer (1980) heißen die zwei Alben, die zu Lebzeiten Curtis†™ entstanden und das Grundfundament für den Kultstatus JOY DIVISIONs bildeten.

Ersteres führte mit Disorder, Shadowplay, New Dawn Fades und She†™s Lost Control in die bedrückend-faszinierende Atmosphäre der Band ein, letzteres enthielt mit 24 Hours, Heart And Soul und Isolation Zeugnisse außerordentlicher künstlerischer Konsequenz.
Erst ein knappes Jahr nach dem Tod Curtis†™ wurde Still veröffentlicht, das unter anderem Dead Souls und Transmission enthält, die bis dahin nur auf EPs und Samplern erhältlich waren. Überhaupt nicht auf regulären Alben zu haben waren Atmosphere, Digital und Incubation sowie die Single Love Will Tear Us Apart mit der B-Seite These Days.
Zweimal wurden JOY DIVISION zu den viel rezipierten John Peel-Sessions eingeladen, am 31. Januar und am 26. November 1979. Legendär sind außerdem zwei Aufnahmen für die TV-Show Something Else aus dem September des Jahres, die sich ebenfalls auf The Best Of Joy Division befinden.

Wie alles began
Nachdem Bernard Sumner und Peter “Hooky” Hook 1976 ihr erstes Sex-Pistols Konzert in der Free Trade Hall in Manchester besuchen, beschließen sie eine eigene Band (Stiff Kittens) zu gründen. Mit Ian Curtis, der angeblich wegen der “HATE”-Aufschrift auf dem Rücken seiner Jacke rekrutiert wurde, findet sich bald ein Sänger, und mit Stephen Morris ist das Line-Up perfekt: Unter dem Namen Warsaw (angelehnt an David Bowies Song “Warszawa”) entstehen erste Aufnahmen, dann nennt sich die Band im Dezember 1977 zum Entsetzen der Öffentlichkeit provokativ in JOY DIVISION um. Den Namen entlehnen sie dem Roman “A House Of Dolls” von Ka-Tzetnik 135633, einem Auschwitz-Überlebenden mit bürgerlichem Namen Yehiel Feiner, der in dem Roman die Leiden der so genannten “Freudendivisionen” beschrieb – weibliche KZ-Häftlinge, die als Lagerprostituierte abkommandiert wurden.
Der Sound
Ähnlich bedrohlich gestaltet sich der Sound JOY DIVISIONs: Spärliche Gitarrensätze, monotone Bass- und Schlagzeuglinien und dazu Curtis†™ abgründige Vocals und Lyrics waren in den späten Siebzigern spektakulär ungewöhnlich. Verantwortlich für den Gesamtsound zeichnete Produzent Martin Hannet, der alle drei Studio-Alben produzierte und zusammen mit den strikt schwarzweiß gehaltenen Bandfotos von Anton Corbijn das bedrückende Image einer Generation ohne Zukunft und Gegenwart kreierte.
Ian Curtis
Der Ruf JOY DIVISIONs verbreitete sich schnell in England und auf dem Kontinent, aber die Band sollte nur drei Jahre Zeit haben, zu einer der wichtigsten Acts des Postpunk zu werden.
Am Tag vor dem Abflug zur ersten US-Tour, am 18. Mai 1980, nimmt Sänger Ian Curtis sich das Leben. Die immer unberechenbarer auftretenden epileptischen Anfälle, dramatische Probleme in der Beziehung zu seiner Frau Deborah und vermutlich eine schwere Identitätskrise stürzen Ian Curtis in die Ausweglosigkeit. Erfolg, Tragik und Ironie des Schicksals manifestieren sich an der einzigen Hit-Single JOY DIVISIONs, Love Will Tear Us Apart, die explizit das gespannte Verhältnis Ians zu Deborah thematisiert und sich erst nach dem Tod Ian Curtis†™ auf Platz 13 der UK-Charts spielt. In der Folge ziehen auch Closer (#6), Unknown Pleasures (#71) und Still (#5) in die Album-Charts.
Neuanfang
Die Geschichte JOY DIVISIONs endet nicht mit dem Tod Ian Curtis†™. Im Gegenteil, nachdem der erste Schock überwunden ist, raffen sich die übrigen Bandmitglieder auf und wagen unter dem Namen New Order einen Neuanfang. Schon im Juli 1980 beschließen Bernard Sumner, der nun die Gesangsparts übernahm, Peter Hook und Stephen Morris weiterzumachen.
Auf Anraten des Managers Rob Gretton wird Stephens Freundin Gillian als Keyboarderin ins Line-Up aufgenommen. Zwar weiterhin der dunklen Melancholie JOY DIVISIONs verpflichtet, orientieren sich New Order stilistisch neu und werden zum wichtigsten Motor des Madchester-Sounds und der Clubkultur in den Achtzigern. Aber auch, wenn die kommerziellen Erfolge New Orders jene von JOY DIVISION heute bei Weitem übersteigen, kann der Einfluss JDs auf die Musik der Nach-Punkzeit gar nicht überschätzt werden.
The Best Of Joy Division bringt auf zwei Discs auf den Punkt, warum dies so ist.
Discographie





















