Musik - 13.02.13 -

Spiel mit dem Feuer

Foals • Holy Fire

Dass (die) Foals einer der aufregendsten musikalischen Erscheinungen der britischen Musikszene der letzten 10 Jahre waren und durchaus noch sind, ist wohl unumstritten. Mit ihrem dritten Album, „Holy Fire“ legt das Ensemble um Yannis Philippakis einen durchaus konsequenten Nachfolger zum Vorläufer „Total Life Forever“ (2010) vor – beide Werke jedoch fernab ihres bahnbrechenden Debüts von 2008, „Antidotes“, eine Sternstunde des alternativen Sektors ,Math Rock‘, mit polyrhythmischen Beats, hektischen Gesängen und elektronischen Spielereien.
Natürlich entwickelt sich auch eine Band wie (die) Foals weiter, und aus den einst so erfrischend lebhaften Song-Vignetten sind nun überwiegend melancholisch unterfütterte Song-Epen (,Out of the woods‘, ,Milk & black spiders‘) geworden, wie wir sie auch von den Killers oder, in Cinemascope Version, von U2 kennen. Dennoch ab und an blitzen funkelnd lebhafte Momente auf, so bei der ausgekoppelten Single ,My Number‘ (beinah wie Vampire Weekend vs. Daniel Lanois) oder ,Bad Habit‘, das dann aber schon verdächtig nah in Coldplay‘sche Gefilde gerät.

Vielleicht liegt die Zukunft der Band mehr bei Songs, die entweder brachial hereinbrechen wie ,Inhaler‘, die sich treibend nach vorne schieben wie ,Late Night‘ oder die sich beinah mantrisch selbst exorzieren wie das hysterisch exzessive ,Providence‘, bei dem es immer wieder heisst: „I‘m an animal just like you“.


Foals – My Number (Official Video) von Foals-Official

Gut möglich, dass ein gewisser Exorzismus die Dramaturgie des Albums bestimmt, die mit einer beinah endlosen ,Prelude‘ den Zuhörer fesselt und dann mit ,Inhaler‘ erst einmal alles an musikalischen Hörgewohnheiten, (die) Foals betreffend, hinwegfegt und so Philippakis & Co. neue Freiräume ermöglicht, die dann sogar das  friedvoll verträumte ,Stepson‘ – aber vor allem das vom Film „Melancholia“ inspirierte, meditative ,Moon‘ abschließend wohltuend zulassen.
Starproduzententeam Flood & Moulder verpasst (den) Foals, wie schon vielen Bands zuvor (U2, Depeche Mode, Nine Inch Nails oder The Killers), einen ,stadiontauglichen‘ Sound, auf dass deren Heiliges Feuer massenkompatibel erstrahlen möge. „Holy Fire“ bleibt daher ein Spiel mit dem Feuer für eine Band, die am Scheideweg zwischen Bombast und/oder ihrer charakteristischen, unkonventionell vitalen Musikalität steht.
Möge die Übung gelingen!


Foals – Inhaler von Foals-Official

Infos: http://www.foals.co.uk/

Tourdaten FOALS in Deutschland:

18.3. 2013 – Hamburg, Markthalle
19.3. 2013 – Berlin, Astra Kulturhaus
20.3. 2013 – Köln, Live Music Hall



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