Musik - 01.01.13 -

Songwriter-Entdeckung 2012

Burkney Jacks schönes Schattenreich

Bei allem, was man an sozialen Netzwerken kritisieren mag und soll, verdanken wir Ihnen auch die Möglichkeit, außergewöhnliche Künstler zu entdecken, deren Existenz uns sonst möglicherweise verborgen bliebe. Wie im Falle von Burkney Jack, einem isländischen Songwriter, der ganz großartige dunkle Songs schreibt und mit wundervoll poetisch-bizarren Videos versieht. Sein zweites Album “In the company of shadows” deutet im Titel bereits die Charakteristik dieser fabelhaften Songs eines offensichtlichen Fabelwesens an.

Biografisch wissen wir leider so gut wie gar nichts über diesen Musiker, außer dass er seinen Lebensmittelpunkt erst kürzlich nach Schweden verlegt hat. Umso mehr können wir uns ihm über seine beeindruckenden Songs nähern, die so rätselhaft scheinen wie er selbst. Ein Schattenreich voller Poesie und Melancholie, in dem Burkney Jack als androgynes Wesen lebt wie dereinst David Bowie als Ziggy Stardust oder Aladdin Sane. Die kunstvolle Art der offenbar selbst produzierten, sehr künstlerischen Videos lässt darauf schließen, dass Burkney Jack tatsächlich ein ähnliches ästhetisches Verständnis mit dem Thin White Duke verbindet.

Auch das Songwriting des Isländers erinnert teilweise ein wenig an den frühen Bowie zu “Hunky Dory”-Zeiten. will heißen, dass wir es hier mit sehr feinen Akustiksongs zu tun haben, die getragen werden von Burkney Jacks dunklem Bariton, von einer Stimme, die selbst lange Schatten zu werfen scheint. Seltsame Liebes- und Lebenslieder sind das, die uns hier begegnen mit einer ganz eigenen Faszinations- und Fesselungskraft. Eine fremde geheimnisvolle Welt, in die man unmittelbar hineingezogen wird, um sie zu erkunden.

Atmosphärisch hat das auch eine Nähe zu den verwunschenen Träumereien von Antony and The Johnsons oder den Irrepressibles, Burkney Jack allerdings verzichtet dankenswerterweise auf überzogene Manierismen und allzu viel Pathos. Seine Songs sind wesentlich geerdeter und dabei trotzdem abgehoben. Bestes Bespiel ist sein “Captain Kennedy”, ein Art Indie-Folk-Shantie, der mit akustischer Gitarre und Gesangsdoppelungen Moritat-Charakter entwickelt. Ein Song, der eine hypnotische Wirkung erzielt.

Einen im besten Sinne merkwürdigen Songkosmos breitet diese Gesellschaft von Schatten aus, in der sich Burkney Jack besonders wohl zu fühlen scheint. Die jenseitige, geisterhafte Aura dieser sonderbaren Welt berührt und verführt den Zuhörer und lässt ihn nicht mehr los. Leider ist dieser Musiker bisher noch keinem Plattenlabel auffällig geworden, was sich hoffentlich bald ändern wird (ich zähle auf Euch, verehrte Glitterhouse-Kenner!). Darum ist das Album bisher nur über die Internet-Plattform Gogoyoko zu beziehen. Für gerade mal 5,31 €, also zu einem Spottpreis für derartig exzellente Musik. Bitte unbedingt in den Künstler investieren und Burkney Jack weiterempfehlen, wo immer Ihr auf offene Ohren trefft!

Sein erstes Album “Kitchen Songs” findet Ihr über nachstehenden Link:

old.thesixtyone.com

www.gogoyoko.com/album/In_the_Company_of_Shadows

www.facebook.com/Burkney.Jack



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