Musik - 26.12.12 -

Electro-Cool-Jazz, neu entdeckt!

Till Brönner • Till Brönner

Till Brönner, der nach seinem Meisterwerk „Oceana“ (2006) in gefährlich seichten Haarwasch-Jazz abzudriften drohte, knüpft mit seinem neuen Album, schlicht „Till Brönner“ genannt, nahtlos an seine frühere, Genre definierende Klasse an und lässt seine Zuhörer den Electro-Cool-Jazz neu entdecken.
Ganz im Stile der legendären CTI-Recordings, der späten 60er und 70er Jahre (unter der Leitung von Creed Taylor) entfaltet Brönner einen Klangteppich zwischen Freddie Hubbards „First Light“ (1971) und Weather Reports „Mysterious Traveller“ (1974). Alben, die vor allem für ihre meisterlich gewobenen Klanglandschaften bekannt sind – so wie auch Till Brönners neuestes Werk, den geneigten Zuhörer sofort in seinen Bann schlägt. Sicher Freddie Hubbard, aber vor allem Weather Report, überschritten damals aufregend klassische Jazzbarrieren, wo Brönner durchaus seiner herangezüchteten, verschmusten Jazz-Gemeinde noch immer dezent gerecht wird. Durchaus ein stilistischer Spagat, der ihn aber auch davor bewahrt, als reiner ,Kopist‘ zu wirken, wozu auch vor allem Brönners Eigenkompositionen beitragen, wie das shuffelnde ,Will of nature‘ oder das flirrende ,The Gate‘.

Ebenso bei der Auswahl der Coverversionen beweist Till Brönner ein gutes Händchen, ob Freddie Hubbards binär/ternär schimmerndes ,Gibraltar‘ oder das sich würdevoll entfaltende ,Condor‘ von Dave Grusins Soundtrack „3 Days Of The Condor“ (1975). Auch wenn die Version von Rhythm Heritage aus dem Jahre 1976 selbst das Grusin Original übertrifft, schafft es Brönner mit seinem Flügelhorn dieses Stück, oder auch die Klassiker ,Once upon a summertime‘ und ‘Lazy Afternoon’, federleicht zum Schweben zu bringen.
Unterstütz von u.a. Saxophonist Magnus Lindgren, dem Keyboarder Roberto Di Gioa und Matteo Scrimali am Schlagzeug ist Till Brönner ein kleiner Geniestreich gelungen, und die Vorfreude auf laue Sommerabende mit guter Musik ist jetzt schon groß!



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