Musik - 11.11.12 -

Hommage-Pathos contra leiser Eleganz

Patricia Kaas • Chante Piaf / Françoise Hardy • L‘Amour Fou

Zwei der in Deutschland bekanntesten Chanteusen veröffentlichen zeitgleich zwei wohltuend unterschiedliche Alben, das eine laut das andere leise, vive la différence!

Darauf haben alemannische Seelen doch nur gewartet, Patricia Kaas erfüllt mit ihrem neuen Œuvre „Kaas Chante Piaf“ (Richard Walter Entertainment) den lang gehegten Wunsch so manchen Fans östlich des Rheines, auf dass diese zwei heiss geliebten Chanson-Favoritinnen endlich eine kreative Kernschmelze eingehen mögen. Und so geschieht‘s mit viel Getöse. Die in der Tat abseits aller Bühnen äusserst sympathische Patricia Kaas, legt sich mächtig ins Zeug, um den Geist der Chanson-Ikone Édith Piaf, anlässlich deren 50. Todestags, zu beschwören. Dabei schießt Mademoiselle Kaas in Sachen Pathos leider öfters über‘s Ziel hinaus, denn die der Piaf so eigene, tragikomisch mitreissende Präsenz lag eben nicht in breitwandig orchestral angelegtem Interpretationsdrama. Da wo Piaf auf einer 5 qm Bistro-Bühne ein ganzes Universum an Emotionen hätte ausbreiteten können, stranded Kaas in einem klanglich überbordenen Staatszirkus. Interpretationssache, ob man stets mit theatralischer Larmoyanz nur die angeblich gebrochene Seele der Piaf betonen ,muss‘, eine Frau, die gerade in ihrer Rolle als Talentförderin (und Liebhaberin!) von u.a. Montand, Aznavour, Bécaud und Moustaki nicht nur Stärke bewies sondern auch äusserst rigide sein konnte. Immerhin vermeidet Kaas jedwedes Mimikry, sei es gesanglich oder bei ihrer aktuellen Bühnenshow – auch wenn diese (dank Abel Korzeniowski) mehr einer LLoyd-Webber Musicalinszenierung denn einer persönlichen Hommage gleicht.
Sei‘s drum, eins ist sicher, zwischen Hamburg und München werden sowohl das Album als auch die anstehenden Konzerte nicht nur die Herzen sondern, vor allem im Weihnachtsgeschäft, die Kassen zum klingeln bringen.

Infos, Videos, Konzerttermine -> http://www.patriciakaas.net/

Weniger stimmgewaltig zwar als Mademoiselle Kaas, schenkt sich und ihrem Publikum die Chansonlegende der leisen Töne, Françoise Hardy, zum 50. Schallplattenjübiläum ein neues Album „L‘Amour Fou“ (EMI) nebst einem gleichnamigen Roman. Beiden Werken liegen thematisch, klanglich wie inhaltlich, irritante bis selbstzerstörerische Liebesleidenschaften zu Grunde. Dafür war und ist Madame Hardy seit den frühen 60er Jahren hinlänglich bekannt und beliebt. Gerade auch in Deutschland galt sie zu jener Zeit als Stilikone und einer der ersten französischen Exportschlager nach dem Zweiten Weltkrieg.
Damals wie heute setzt Hardy auf dahingetupfte musikalische Leichtigkeit, die ob ihrer meist melancholischen Texte, sich in einem bittersüßen Taumel zu bewegen scheinen. Auch auf „L‘Amour Fou“ haben renommierte Songschreiber wie u.a. Calogero, Thierry Stremler oder Julien Doré es brillant verstanden, Françoise Hardys filigran misanthropische Lyrik musikalisch einzubetten. Dabei sind Klavier und Streicher maßgeblich im Einsatz, eine ihrer Lieblingskombinationen, wie die Künstlerin sagt und ein wenig selbst überrascht ist, ein ganzes Album mit diesem Klangkörper zusammengestellt zu haben. Vordergründig kühl und distanziert, entfalten die Chansons aber bei mehrmaligem Hören eine seltsame Wärme und Geborgenheit, die nicht nur an verhangenen Herbsttagen wie ein tröstendes Nest erscheinen und womöglich so manchen Liebeskummer erträglicher machen. Merci Françoise!

Videos zum Album, sowie weitere Infos -> http://www.francoise-hardy.com/Galerie-Video



Kommentar schreiben