Musik - 04.11.12 -

Vergeblicher Griff nach verlorener Krone

Robbie Williams • Take The Crown

So sehr sich Robbie Williams auch anstrengt, die verlorene Popkrone zurückzuholen, es wird ihm auch mit seinem neuen Album, „Take The Crown“ (Island/Universal) nicht wirklich gelingen.
Nun kann aber „take the crown“ auch heissen, ,nimm die Krone‘ im Sinne von ,übernimm sie für mich‘, was sicher treffender ist – Lady GaGa nahm sie gerne und zu Recht an. Denn ganz offensichtlich bietet Robbie eine Krone feil, die ihm schon länger abhanden kam. Dabei geht Mr Williams sogar soweit, da wo er einst selbst die Maßstäbe setzte, sich nun als Copycat, irgendwo zwischen Coldplay (,Be a boy‘), U2 (,Into Silence‘) und Snow Patrol (,Gospel‘), preiszugeben.

Kein Wunder, saß doch Jacknife Lee produzierend mit im Aufnahmestudio, jener der auch schon u.a. U2 und Snow Patrol in ein solides Klangkonzept einbettete.
Für den nach wie vor charmantesten Selbstdarsteller im aktuellen Popbusiness bedarf es da aber doch etwas mehr Feingefühl als quadratisch-praktischer Stadionhymen, denen dann aber doch unterm Strich eben genau das gewisse Quäntchen ,Hymme‘ fehlt! Und so mutieren Songs wie ,Reverse‘, aber vor allem ,Hey Wow Yeah Yeah‘ und ,Not Like the Others‘ zu schrillen Pseudo-Rocknummern, die man bestensfalls auf 4 Non Blondes B-Seiten vermutet, oder auf ebensolche verwünschen möchte.

Seit der Trennung von seinem kongenialen Partner Guy Chambers (2002) musste Robbie eben etwas mehr von der Bühne oder in die Kameras flirten, denn das kompositorische Material  seit „Intensive Care“ (2005) schwächelte im Vergleich zu ,Angels‘, ,Rock DJ‘ oder, einem der genialsten Popsongs des Milleniums, ,Feel‘, zusehends. Selbst im Vergleich zum zu unrecht geschmähten „Rudebox“ Album (2006), finden sich aber dort um Längen bessere „Pop“-Melodien. Legt man die Messlatte allerdings bei „Take The Crown“  etwas tiefer an, so sind immerhin Opener ,Be a boy‘, ,Different‘, ,Hunting for you‘ und auch das samtene Bono-Drama ,Into the silence‘ des mehrfachen Anhörens würdig. Über „Candy“, dass wie ein Kinderlied für gentrifizierte Kitas in Prenzlauerberg klingt und als eine der dürftigsten Vorabauskopplungen des Herrn Williams gelten kann, wird sich hoffentlich bald der Schleier des Vergessens senken. Dem mittlerweile zum Vater gewordenen Popstar seien solche regressiven, kooperativen Momente mit Gary Barlow dennoch wohlwollend verziehen.

Resümierend scheint auch Robbie Williams zu jener Gattung Künstler zu gehören, die reziprok zu ihren persönlichen Krisen, am kreativsten in Erscheinung treten. So möge er sich daher vorerst von Tonstudios fernhalten und sich von Herzen seiner kleinen Familie widmen – denn die Popkrone bleibt bis auf weiteres unangefochten auf ,Stefani Germanottas‘ Haupt!

Infos -> http://mind.robbiewilliams.com/



Kommentar schreiben