Musik - 29.10.12 -

The older the bigger

Udo Lindenberg – Ein Roadmovie

Udo Lindenberg © Tine Acke

Udo Lindenberg © Tine Acke

“Ich mach mein Ding“ war eigentlich schon immer Udo Lindenbergs Devise. Folgerichtig nannte Udo auch seine komplett ausverkaufte Tour im Frühjahr 2012 nach seinem persönlichen Mantra. Und es war wahrhaftig mehr als “nur eine Tour“ – es war eine Lindenberg-Show der allerersten Güte und wahrscheinlich der bisher größte Triumph in der an Triumphen nicht armen Karriere des “Erfinders der deutschen Rockmusik“. Mit dabei: Hannes Rossacher, seines Zeichens Videoregisseur und renommierter Musik-Dokumentarfilmer, der zahllose Stunden von Filmmaterial auf packende 90 Minuten zusammengeschnitten hat. Die gelungene Doku trägt den Titel Mit Udo Lindenberg auf Tour: Deutschland im März 2012 – Ein Roadmovie und ist vor ein paar Tagen erschienen.

„Ein Roadmovie” ist ein faszinierendes Film-Dokument, das aufrollt, was alles zu einer Monumentalshow wie “Ich mach mein Ding“ gehört, und wie locker einer wie Udo Lindenberg mit einer solchen Situation umgeht. Rossachers Film liefert vor allem ein umfassendes Porträt eines der beeindruckendsten und individuellsten Künstler, die dieses Land je hervorgebracht hat. Der Filmer hat ihn im wahrsten Sinne hautnah verfolgt: Auf der Bühne, hinter der Bühne, bei den Proben, in der Limousine. Wo Udo selbst nicht spricht, lässt Rossacher die Menschen in seiner Umgebung zu Wort kommen. Ein ständiger Perspektivwechsel, der den Zuschauer so nah an den Menschen Lindenberg bringt wie niemals vorher. Rossacher hat das Kaleidoskop aus verschiedensten Farben und Schattierungen, aus denen die schillernde Persönlichkeit Lindenbergs besteht, zu einem großen, bunten Ganzen zusammengeführt.

Schlüsselfunktionen nehmen dabei die zahlreichen Interviews ein, die Rossacher mit Kollegen, Freunden und der Crew geführt hat. Prominente Kollegen wie Ben Becker, Stefan Raab, Joachim Król, Peter Lohmeyer, Peter Maffay, Jan Delay, Sebastian Krumbiegel und Clueso kommen ebenso zu Wort wie Udos zahlreiche Helfer vom Catering-Chef über die Backgroundsängerinnen bis hin zu Manager und Veranstalter. Unterschiede werden nicht gemacht: Das Wort des Kleinen ist ebenso wichtig wie das Wort des Großen, denn Udo selbst unterscheidet nicht zwischen Klein und Groß. Zum ersten Mal äußern sich auch Udos Schwester Inge und seine Fotografin und Vertraute Tine Acke vor der Kamera und erzählen uns von einem Udo, den man in der Öffentlichkeit kaum kennt.

Und klar, es geht immer, immer wieder in die Hallen zurück, wenn in Mannheim, Frankfurt, Hamburg und Leipzig emsig aufgebaut und vorbereitet wird und die leere, zugige Halle sich allmählich in einen Ort panischer Magie verwandelt. Dabei folgt der Film in seiner Erzählung der realen Chronologie der Tour. Zu den Highlights gehört dabei die Szene, in der Udo sich in Berlin seine zwei Echos abholt und direkt danach in die Berliner O2-Arena abrauscht, wo er am selben Abend seine eigene Show präsentieren wird. Beeindruckend ist es auch, wie Rossacher den berührenden Moment festgehalten hat, als Tausende von Fans im Publikum bei “Bis ans Ende der Welt“ Tränen der Rührung in den Augen hatten.

Seit seinem No.-1-Album Stark wie Zwei (2008) kann Lindenberg auf eine gigantische Erfolgswelle blicken. Mehr als vier Monate hielt sich Udo Lindenberg mit seinem Live-Album MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic auf Platz 1 oder 2 der deutschen Album-Charts. Mehrfaches Platin und zwei Echos konnte er bereits dafür einfahren und katapultierte zudem die Single Cello auf Platz 4 der Single-Charts.

Udo Lindenberg spielte als Pate der deutschsprachigen Rockmusik eine entscheidende Rolle und er spielt sie weiter bis heute. Sein künstlerischer und kommerzieller Erfolg ist beeindruckend, sein politisches und soziales Engagement darf man ohne weiteres als historisch bezeichnen. Wie kein zweiter deutscher Popstar pochte er schon mit seinem “Mädchen aus Ostberlin“ und dem “Sonderzug nach Pankow“ auf ein Deutschland ohne Mauern – und dies nicht nur geografisch, sondern auch in den Köpfen der Menschen. “Nur der Entertainer zu sein und sich teuer beleuchten zu lassen, das wär mir zu wenig,“ lautet gleich sein erstes Statement im Film. “Politik gehört zum Leben wie alles. Ökobewusstsein und so, das muss ja alles sein. Und diese Bewegungen mit anzuschieben oder zumindest zu begleiten, mit Songs, und manchmal auch initiativ zu sein, sowas anzukicken, fand ich immer total wichtig.

Udo Lindenberg, mit 60 unbestreitbar auf dem Höhepunkt seiner nun mehr als 40-Jahre anhaltenden Karriere, gehört zu den Aufrechten im Lande, der für das einsteht, was ihm wichtig ist. Mit den Jahren hat Udo Lindenberg nicht nur an Reife und Tiefe gewonnen. Udo Lindenberg kann man tatsächlich, trotz und wegen seiner persönlichen Schwächen und seinem Umgang damit als ein echtes Vorbild bezeichnen. In einer Zeit, in der immer wieder nach moralischen Instanzen gerufen wird, lebt Udo Lindenberg vor, wie es gehen kann: der Umgang mit dem Leben, der Liebe, der Kunst, der Politik und der Lebenslust!

Artist: Udo Lindenberg
Release: Mit Udo Lindenberg auf Tour: Deutschland im März 2012 – Ein Roadmovie
VÖ: 26. Oktober 2012
Label: Warner Music Germany
Formate: DVD, Blu-ray & limitierte Fan-Edition
Regisseur: Hannes Rossacher

www.udo-lindenberg.de
www.facebook.com/UdoLindenberg



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