Musik - 25.10.12 -

A Dedication To Nina Simone

Meshell Ndegeocello • Pour Une Âme Souveraine

Es überrascht kaum, dass ausgerechnet Meshell Ndegeocello sich mit ihrem aktuellen Album „Pour Une Âme Souveraine“ (Naive/Indigo) dem musikalischen Œuvre von Nina Simone, wahrlich eine souveräne Seele, annimmt. Verbindet doch beide eine ‘kreative Unangepasstheit’ im Rahmen üblicher, popularmusikalischer Schubladen. Genauso wenig wie Nina Simone sich während ihrer gesamten Karriere alleingültig in die Sparte „Jazz“ abdrängen lassen wollte, bewegt sich auch Meshell Ndegeocello seit ihrem Debüt „Plantation Lullabies“, aus dem Jahr 1993, nicht wirklich klassifizierbar zwischen Funk, Soul, Hip-Hop, Jazz, Reggae und Rock. Mit ihrer Hommage an Nina Simone fügt Ndegeocello nun erneut eine weitere Facette hinzu.
Von Anfang an war ihr und ihrem Co-Pruduzenten, Chris Bruce, klar, dass es hier nicht um mehr oder weniger charmante 1:1 Coverversionen im Lounge-Modus ging, sondern darum, ganz neue Räume in den bereits von Nina Simone selbst häufig unterschiedlich interpretierten Songs zu öffnen. Und das gelingt Ndegeocello hervorragend, unterstützt von ebenso ,eingenwilligen‘ Gastsängerinnen wie Sinéad O‘Connor, Liz Wright, Toshi Reagon, Valeri June und Tracy Wannomae. So wird ,See Line Woman‘ zum schleichend hypnotischen Voodoo-Blues, Leonard Cohens ,Suzanne‘ von der ursprünglich vergeblich Angebeteten zu einer mitreissenden afrikanischen Schönheit. Aus dem Charakter-Strip ,Four Women‘ eine in Trance gehauchte Ehrerbietung an verschiedenartige Afro-Amerikanerinnen und ,Feeling Good‘ wahrlich zu einem „Plantation Lullaby“, das einem ,Summertime‘ in nichts nachsteht.

Dass ,To Be Young, Gifted And Black‘, hier wunderbar gesungen vom einzigen männlichen  Mitsänger Cody Chesnutt, und ,Please Don’t Let Me Be Misunderstood‘ sich ausnahmsweise nicht allzu weit von ihren Originalen wegbewegen, stört das Gesamtbild keineswegs. Einzig vielleicht die überflüssig hektische Adaption von ,The house of the rising sun‘ schießt weit über‘s Ziel hinaus und beweisst, dass Eric Burdon mit seiner hinreissenden Neuaufnahme von 2004 Maßstäbe für diesen Song gesetzt hat.

Wie auch immer, Ndegeocello setzt jener Frau, die besonders in den 50er aber vor allem 60er Jahren zum Sprachrohr der afro-amerikanischen Bewegung zur Gleichberechtigung wurde, ein würdiges musikalisches Denkmal. Denn Nina Simone war mehr als eine Barpianisten, die sich über einen Werbespot mit ,My Baby just cares for me‘ in das Gedächtnis einer ganzen Yuppie-Generation gebrannt hat – wer nämlich ihre Version von ,My Way‘ kennt, weiss, dass sie ebenso wie Meshell Ndegeocello, radikal und verblüffend mit Neuinterpretationen verfahren konnte.

Infos: http://www.meshell.com/



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