Musik - 15.10.12 -

Die Grande Dame des Entertainments öffnet das tönende Schatzkästlein

Barbra Streisand • Release Me

Nur selten, in ihrer beinah 50 jährigen Karriere, hat Barbra Streisand Einblick in ihr Aufnahmearchiv gewährt. Nach „Just For The Record“ (1991) öffnet die Grande Dame der Interpretationskunst nun (in Begleitung ihres Produzenten Jay Landers) erneut das Schatzkästlein und entlässt mit „Release Me“ (Sony Music) wohldosiert Raritäten ihrer Sangeskunst aus den Jahren 1967 bis 2012 in die Welt.
Hierbei ist nicht zu überhören, was die Streisand einst so populär machte: ihre ,Jahrhundertstimme‘, die eine ganze Generation von Sängerinnen beeinflusste, die dramatisch und ausser Atem sein konnte oder umwerfend humorvoll aber auch hochgradig flexibel klang – beides wunderbar hier zu hören mit ,Lost in wonderland‘ (im Original ,Antigua‘ von A.C.Jobim) und Jimmy Webbs ,Didn‘t we‘. Aber auch erstaunlich intime Momente wie beim Randy Newman Klassiker ,I think it‘s going to rain today‘ werden so manches Fan-Herz höher schlagen lassen.

Selbst wenn die Reihenfolge der Lieder nicht unbedingt chronologisch angeordnet ist, fällt dennoch auf, wie sehr sich ,Babs‘ (spätestens seit den 90er Jahren) durch ihre zunehmend perfektionistischen Ansprüche mehr und mehr zu einer singenden “Stepford-(Ehe)Frau“ entwickelte, und somit beinah ihr gesamtes Spätwerk nur zu gut als tönende Beilagen für ,Schöner Wohnen‘ dienen konnte. Daher sind ,If it‘s meant to be‘ (ein Outtake aus dem letztjährigen Alan & Marilyn Bergmann Projekt) und ,Home‘ (aus dem Musical ,The Wiz‘) schlicht schön, aber wie gewohnt ein bisschen zu zuckrig. Ein wahres Highlight hingegen ,Mother and child‘ (1973) aus dem eingestampften Projekt „Life Cycle Of A Woman”, in dem Streisand ein hinreissendes Duett mit sich selber singt und dieses beinah wie ein hybrider Prototyp der „Yentl“-Songs ,Papa, can you hear me‘ und ,A piece of the sky‘ anmutet. Kein Wunder, denn auch hier zeichnete sich Michel Legrand als kompositorisches Genie aus und beweist einmal mehr, wie großartig sich Streisands Gesangsstylistik mit seinen Liedern ergänzt.
Rundum also ein Wohlfühlpaket für Streisand-Fans, das nach einer Fortsetzung ruft – und wie könnte es anders sein, selbige bereits im ausführlichen CD-Booklet bereits angekündigt wird.



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