Film - 06.10.12 -

Großartige Verfilmung von Marlen Haushofers Roman

Die Wand: Die existenzielle Wucht von Martina Gedeck und der Natur

Was geschieht mit dem Menschen, wenn er aus dem Nichts heraus auf sich zurückgeworfen wird, wenn die Einsamkeit und Abgeschnittenheit von der Welt ihn zwingt, seine Wesenhaftigkeit zu erkunden, seine Instinkte neu zu entdecken und auf sie zu vertrauen, um ein anderer zu werden? Also zu dem Fremden in sich zu finden, der er in seinem Ursprung immer war? Wie Michel Tournier in seinem genialen Roman “Freitag oder im Schoße des Pazifik” die Resozialisierung des der Zivilisation entrissenen Robinson beschreibt, so führte Marlen Haushofer in ihrem Buch “Die Wand” eine Frau in die existenzielle Situation der Abgeschiedenheit einer gnadenlosen Bergwelt. Ihrem literarischen Meisterwerk folgt nun das cineastische von Regisseur Julian Roman Pösler mit einer ihre Grenzen bis ans Äußerste auslotenden Martina Gedeck in der Hauptrolle.

Die auf den Zuschauer übergreifende Beklemmung entspringt der Erkenntnis, dass diese unsichtbare Wand, an die die von Martina Gedeck in jeder seelischen Nuance bravourös dargestellte Protagonistin stößt, die eigene verborgene Grenze ist, an die der Mensch stößt und die zu überwinden einen ungeheuren physischen wie psychischen Kraftaufwand bedeutet, der das nackte Dasein fordert. Die Wand ist der Spiegel jener Wahrheit, die unser Alter Ego früher oder später einfordert. Wie es Pösler und Gedeck gelingt, diese archaische Selbsterfahrung und den Prozess der Selbstwerdung in seiner zerreißenden Schmerzlichkeit des Ich, aber auch überwältigenden Schönheit der unbestechlichen Natur auf die Leinwand zu bringen, ist Atem beraubend und verdient das Prädikat: Unbedingt sehens- und empfehlenswert. Die Studio Canal/Arthaus Produktion startet nächste Woche in den Deutschen Kinos.

Die übermächtige und unbeugsame Kraft der Natur und eine Martina Gedeck, die im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben spielt – ein Kinoereignis, das an existenzieller Wucht kaum zu übertreffen ist. Reif für jeden Filmpreis!

www.diewand-derfilm.at



1 Kommentare zu “Die Wand: Die existenzielle Wucht von Martina Gedeck und der Natur”

Mayo Velvo am 8. Oktober 2012 18:22

Frau Gedeck immer ein Garant für schauspielerisches Niveau!

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