Musik - 05.10.12 -

Würdigung zum 3. Todestag

Willy DeVilles Berliner Bühnenzauber

Am 6. August 2009 starb der hoch geschätzte Rock- und Bluesmusiker Willy DeVille im Alter von nur 58 Jahren. 34 Jahre davon beeindruckte er die Pop-Welt mit einer Reihe vorzüglicher Alben, die von latinogefärbten Rocknummern über dunklen Swamp-Blues bis hin zu Hommagen an seine Wahlheimat New Orleans und Vorbilder wie Allen Toussaint reichten. Nachhaltigen Ruhm erwarb sich William Paul Borsey Jr. – so sein bürgerlicher Name – vor allem auch als großartiger Live-Musiker mit Entertainer-Charme. Wie jetzt das postum veröffentlichte “Willy DeVille – Live at the Metropol Berlin” nachdrücklich belegt.

Gleich mit dem spukigen Blues “Loup Garou” hat einen der Meister am Haken, lässt den Song sich wie eine Schlange seine rauch- und whiskeygetränkte Stimme entlang winden. Der Opener macht auch sofort deutlich, dass DeVille mit Freddy Koella (guitars, violin, mandolin), David Keyes (bass), Boris Kinberg (percussions) und den aus New Orleans stammenden Schwestern Dorene und Yadona Wise als Backgroundsängerinnen auf kongeniale Mitstreiter gesetzt hat. Mit der nachfolgenden Elvis Presley-Hommage “One Night Of Sin” steckt Willy dann auch direkt die Bandbreite seiner Einflüsse ab und liefert astreinen Rockabilly.

So gestaltet sich der 24. Juni 2002 im Berliner Metropol zu einem der besten Live-Auftritte in der Karriere des am 25. August 1950 in Stamford, Connecticut geborenen Sängers und Gitarristen. Umjubelt von einem begeisterten Publikum, das sich der 18 Songs erfreut. Ob DeVille den lässigen Crooner raushängen lässt wie bei John Hiatts “Broken Heart”, ob er den Latino-Funken mit “Bamboo Road” zündet oder durch die tiefen Wasser des Mississippi-Blues “Steady Drivin’ Man” watet, der Mann wandelt souverän durch die Stile und raspelt die Songs durch das Reibeisen seiner präsenten Stimme.

In jedem Moment spürt man die Leidenschaft des Musikers – genau das hat ihn mir immer so sympathisch gemacht. Kaum einer verstand es so gut wie er, Romantizismen völlig unprätentiös zu präsentieren, z.B. einen Song wie “Across The Borderline” zuckersüß anzulegen ohne ihn klebrig zu gestalten. Wundervoll immer seine schmutzige Seite, wenn er sich wie hier mit Rost auf den Gitarrensaiten und Stimmbändern und durch “18 Hammers” frisst. Auch seinen Hit “Cadillac Walk” legt er in Berlin dunkler und geheimnisvoller an als im Studio – großartig insbesondere auch Koellas Gitarrenarbeit.

“Can’t Do Without It” ist eine zum Niederknien schöne Ballade, die von DeVilles Gesangsdialog mit den Wise-Sisters lebt. “Who’s Gonna Shoe Your Pretty Little Foot” ziegt eine andere wichtige Seite des Musikers. Die des Tradionalisten, der sich immer wieder auch auf die Spur seiner Musikkultur begab und sie liebevoll pflegte. Bei “Heart And Soul” spricht der Titel für die Hingabe von Willy an emotionales Liedgut. Zum Finale dann noch zwei Höhepunkte: “Spanish Stroll” mit DeVille als personifizierter Mr. Cool und schließlich sein legendäres Latin-Cover des Jimi Hendrix-Klassikers “Hey Joe”, das ihm allerdings auf seinem ersten Live-Album von 1993 noch inspirierter und hinreißender gelungen ist. Sei’s drum – ein exzellentes Konzert, das es übrigens auch filmisch dokumentiert gibt auf dem sehr empfehlenswerten 3 DVD-Box-Set “Willy DeVille Alive, auf dem auch sein noch famoseres Live-Album “The Willy Deville Acoustic Trio Live in Berlin” festgehalten ist.

Und für alle, die – wider Erwarten – den Namen Willy DeVille zum ersten Mal hören, empfehle ich zum Kennenlernen sein exzellentes letztes Studioalbum “Pistola” – eine düstere Rhythm and Blues-Perle, auf der sich Willys ganze Klasse erschließt.

Mann, wie ich diesen tollen Kerl vermisse!

www.willydevillemusic.com

www.facebook.com/WillyDeVilleVideos



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