Musik - 02.10.12 -

Kurz und gut - Seeeds neue deutsche Effizienz

SEEED • Seeed

Mit Spannung und Ausdauer wurde nach 7 Jahren das neue, gleichnamig betitelte Album (erschienen bei Warner) von einer der wahrlich interessantesten, deutschen Musikformationen, nämlich SEEED, erwartet. Schließlich gab es bereits vor einem Jahr schon die erste Single-Auskopplung, ,Molotov, die durch ihren eher rockigen Sound schon für dezente Irritation in Reihen der Fans sorgte. Der im August erschienene Song ,Beautiful‘ klang wieder vertrauter und ließ viele auf ein fulminantes ,Comeback‘ hoffen. Und auch wenn ,Seeed‘ mit nur knapp 40 Minuten Spielzeit ein wenig dürftig auszufallen scheint, ist der international musikalischen Garküche aus Berlin dennoch ein kraftvolles Album gelungen.

Auffällig teilt sich das neue Material in zwei Genres. Zum einen orientieren sich unverkennbar Songs wie ,Deine Zeit‘, das großartig groovende ,Augenbling‘ oder ,Seeeds Haus‘, deutlich am Klang des phänomenalen Alleingangs von Pierre Baigorry aka Peter Fox mit seinem Album „Stadtaffe“ (2008). Warum auch nicht, denn schließlich ist ,Stadtaffe‘ eines der herausragendsten Werke der deutschen Pop-Geschichte der letzten 20 Jahre. Zum anderen kontrastieren ,Fell for you‘, ,You & I‘, ,Elephants‘, und ,Lovelee‘ das Album mit ruhigen Reggae-Grooves. Einzig ,Waste my time‘ mit seinem Guetta-esquem Elektro-Skatbeat scheint zwischen allen Stühlen zu sitzen und ist vielleicht genau deshalb die ‘Überraschung’ des Albums!?

Ansonsten eigentlich eine runde Sache und im Prinzip ,SEEED-Business-as-usual‘. Doch deren Fangemeinde sieht größtenteils rot (liegt‘s am Plattencover?) und teilt sich wie das gleichnamige Meer. Da wird ,Radio-Pop-Gedudel‘ ebenso angeprangert wie ,zu wenige Riddim Dancehall Beats‘ und immer wieder das Gefühl, die Spielzeit betreffend, künstlich knapp gehalten zu werden. Durchaus nachvollziehbar, denn subtrahiert man von der Gesamtspielzeit die beiden über ein Jahr alten Songs (,Molotov‘ und den Coversong von Black aus dem Jahr 1985 ,Wonderful Life‘), sowie eine das Album abschließend stopfende instrumentale Big Band Version von ,Beautiful‘, bleiben gerade mal gut 30 Minuten übrig. Neue Deutsche Effizienz?

Die anderen Fans jedoch, die bereits zum horizonterweiternden Sound von Peter Fox übergelaufen sind – aber vor allem jene, die erst durch „Stadtaffe“ reziprok auf Seeed aufmerksam wurden, werden dieses Album mögen und zu Recht auf eine der oberen Chart- Positionen heben.

Dennoch auf der anstehen Tour (ab 15.11. -> http://www.seeed.de/termine) werden sich beide Fanlager am Ende eh wieder vereint in den Armen liegen, weil einst ist gewiss, live sind SEEED nach wie vor ein Knaller.

Infos: http://www.seeed.de/news

http://www.zoolamar.com/?s=Seeed



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