Musik - 01.10.12 -

Exzellentes Album Release Konzert

Andrea Schroeder beschwört die Geister von Berlin

Es war die Feuertaufe von Andrea Schroeders landauf landab hoch gelobtem Debütalbum “Blackbird” vor heimischem Live-Publikum. Und es hätte keinen passenderen Rahmen finden können als den Roten Salon in Berlin, wo Andrea am Samstag den brillanten Songs ihres bei Glitterhouse Records verlegten Erstlings überzeugendes Konzert-Leben einhauchte und ihre dunkelromantische Songpoesie in die angemessene Club-Atmosphäre tauchte, die den Liedern so perfekt steht wie der schönen Musikerin das kleine Schwarze, in dem sie die Bühne eroberte.

Auch wenn Andrea zunächst etwas scheu und offensichtlich gerührt vom großen Zuspruch wirkt, vom ersten Ton des Openers “Bepop Blues” an beweist sie eine starke Bühnenpräsenz, die sicher auch dem rückenstärkenden Halt ihrer exzellenten musikalischen Begleiter mit gutzuschreiben ist. Jesper Lehmkuhl, der auch die Songs mit Andrea komponiert hat, ist der große Souverän im Hintergrund, der mit seinem feinen Gitarrenspiel jedem Song das Gerüst gibt – sei es mit sparsamen Akustikklängen oder griffigen Riffs, die viel Gespür für aufs Wesentliche reduzierte Blues- und Rock-Licks verraten. Mit dem harmonischen Bassspiel von Dave Allen und den prägnanten, akzentuierten Drums von Hugo Race-Sideman Chris Hughes verfügt Andrea zudem über ein hervorragendes Rhythmus-Tandem. Sie selbst haucht den Songs mit Harmonium und der Shrutibox die magische Aura ein, auf der ihre rauchige, warme Stimme ins Dunkel ihrer schönen Lyrics tauchen kann, die dem Momentum Melancholie Ewigkeit verleihen. Als Gast unterstützt die großartige belgische Violinistin Catherine Graindorge das Quartett – zu ihr später mehr.

Andrea spielt an diesem Abend in Berlin das komplette Album “Blackbird” und setzt ein Highlight an das nächste. Keine Frage aber, dass das Publikum eindeutig “Blackberry Wine” als erklärten Favoriten am meisten bejubelt, bei dem es sich wirklich um einen der herausragenden Songs des Jahres handelt. Aber auch der Titelsong und “Paint It Blue” erfreuen sich ähnlicher Resonanz wie überhaupt das gesamte Repertoire bei den Hörern auf große Gegenliebe trifft. Zur Feier des Abends werden wir auch Ohrenzeugen von vier neu einstudierten Liedern, die wir auf dem bereits angekündigten Nachfolger erwarten dürfen. Mit dem englisch/deutschen “Ghosts Of Berlin” hat Andrea natürlich schon per Songtitel gleich alle Sympathien auf ihrer Seite und liefert damit eine echte Local Hero-Hymne. Gefolgt vom wundervollen “Where The Wild Oceans End”, das sich ebenfalls perfekt in den gesamten Liederreigen integriert.

Mit dem Schlusslied ihres Albums “Kälte” beginnt Andrea die vom Publikum nachhaltig geforderte Zugabe und setzt damit gleich noch mal ein Ausrufezeichen hinter all die Highlights. Diese durch und durch dunkle, lyrische Ballade vibriert förmlich vor emotionaler Spannung und reißt alle Gefühle im Publikum mit. “My Skin is like Fire” hat es nach diesem Gänsehautschüttler verständlicherweise ein wenig schwer, das finale “Sky Full Of Lies” mit seiner starken, sich unmittelbar aufdrängenden Windmühlen-Metapher setzt dann aber nochmals einen hoch emotionalen i-Punkt auf das ganze Konzert. Zusammen mit den “wilden Ozeanen” schon jetzt einer meiner Lieblinge vom nächsten Album, auf das wir Musikliebhaber im Schroeder-Fieber hoffentlich nicht allzu lange warten müssen.

Andrea_Schroeder_Unplugged_©Raimund Spierling 2012

Andrea_Schroeder_Unplugged_©Raimund Spierling 2012

Das Prädikat “Besonders Hörenswert” verdiente sich an diesem Abend auch Catherine Graindorge, die nicht nur Andrea bei ihrem Auftritt begleitete, sondern auch das nicht minder faszinierende Vorprogramm bestritt. Die Belgierin, die ebenfalls in diesem Jahr ihr Debütalbum “The Secret Of Us All” veröffentlichte, bannte das Publikum mit ihrem inspirierten Violinspiel, das sie mit Loops und anderen Effektgeräten auf magische Weise einzusetzen versteht – von fast klassisch melodisch bis avantgardistisch experimentell. Mitunter erinnerte das an die junge Laurie Anderson. Man darf Catherine wünschen, dass sie ein aufgeschlossenes Publikum findet, dass ihre ganz besondere Musik zu schätzen weiß. Auf dem sehr gelungen Album (Rezension in Kürze) hat sie Unterstützung von Hugo Race, der uns auch aktuell mit seinem neuen Werk “We Never Had Control” (Auch hier folgt bald unsere Review) beglückt, auf dem er sich wiederum die Violinistenkünste von Madame Graindorge gesichert hat.

www.andreaschroeder.com

www.myspace.com/andreaschroedermusic

catherinegraindorge.tumblr.com

www.myspace.com/catherinegraindorge

www.spierling-art.de/unplugged



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