Musik - 25.09.12 -

Traurig-schönes Songwriter-Album

Herbst im Herzen – Neil Halstead

Der Herbst wirft untrüglich seine Schatten voraus und schickt seine Vorboten in Form von besinnlich gefärbten Alben, deren Stimmungen wie raschelndes Laub und knisternde Kaminfeuer sind. Eines der schönsten Gefühls-Herbarien mit behutsamen gepressten Songblättern öffnet der britische Songwriter Neil Halstead mit seinem bei Brushfire Records erschienenen Folkalbum “Palindrome Hunches” für uns.

Herrlich zart besaitete Lieder, die Halstead mit klarer, sanfter Stimme vorträgt. Sparsam instrumentiert und voller Warmherzigkeit. Die Zartheit und Traurigkeit der Songs weckt Erinnerungen an Nick Drake und Elliott Smith, sie atmen eine ähnlich melancholische Tiefe wie das Songwriting des Amerikaners Barton Carroll und von Halsteads Landsleuten Scott Matthews und Alexi Murdoch, deren letzte Alben in diese Kategorie von Herzerwärmern gehören. Auch Chris Hooson und seine Band Dakota Suite (!Neues Album “An Almost Silent Life” comming soon) gehen mir bei Neils traurigem, weltverlorenen Gesang durch den Sinn.

Neil Halstead – Full Moon Rising from Brushfire Records on Vimeo.

Einigen ist Halstead vielleicht als Mitglied der Band Mojave 3 bekannt, die er 1995 mit gegründet hat. “Palindrome Hunches” ist bereits das vierte Studioalbum des Engländers, dessen Vorgänger “Oh! Mighty Engine” vom Guardian mit eben Nick Drake und Bert Jansch verglichen wurde. Diese Ein- und Wertschätzung verdient sich Halstead auch mit seinem aktuellen Werk. Nachdenklich kommen Songs wie der leise Opener “Digging Shelters”, “Spin The Bottle” oder das philosophische “Wittgenstein’s Arms” daher.

Neil Halstead Tied To You WEB from Brushfire Records on Vimeo.

Zur akustischen Gitarre gesellen sich wohl gesetzte Pianoklänge und seufzende Violinen, hier und da mischen sich ein Glockenspiel oder Harmonium ein, um das Wohlgefühl zu vervollkommnen. Ganz wunderbar und in seiner Wirkungskraft wirklich nah an Drakes großen Balladen ist der sehnsuchtsvolle Lovesong “Tied To You”, dem förmlich perlende Pianotränen und Violinenschluchzer aus den Noten rollen. Wunderschön!

Neil Halstead Hay Day Dreamer WEB from Brushfire Records on Vimeo.

Weitere Höhepunkte: Der kurze, melodisch schlichte, liebenswerte Titelsong mit seinem verhaltenen Banjospiel und einer an Erik Satie erinnernden Pianophrase. “Full Moon Rising” transportiert die lunare Empfindung äußerst harmonisch – als würde leichte nächtliche Wolken am Vollmond vorüberziehen, von himmlischen Violinenstrichen gezogen. Ähnlichen Charakter besitzt auch “Sandy”, das unmittelbar anschließt. Mit “Hey Daydreamer” entdeckt Neil Halstead in all der Schwere sogar noch so etwas wie eine Ahnung von Leichtigkeit, die den Hörer mit einer walzerseligen Melodie umgarnt. “Loose Change” beschließt den makellosen Songreigen noch einmal mit berührendem Nick Drake Flair.

Klare Empfehlung für alle Herbstgesinnten!

www.neilhalstead.com

www.facebook.com/neilhalstead

www.myspace.com/neilhalsteadofficial



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