Bücher - 23.09.12 -

Cartoon-Hommage an den Jahrhunderthumoristen

Der Sarg hängt schief – Loriot zum ersten Todestag

Die schönste und stimmigste Würdigung von Loriot unmittelbar nach seinem Tod am 22. August 2011 ersannen Werbekreative vom Art Directors Club Deutschland, dessen Ehrenmitglied Vicco von Bülow (1923-2011) war. Ein schlichtes weißes Blatt Papier mit schwarzem Trauerrand und darauf die wunderbare Zeile “Lieber Gott, viel Spaß!” Ein Jahr danach haben der liebe Gott und der Jahrhunderthumorist an seiner Seite gemeinsam etwas zum Schmunzeln: “Cartoons für Loriot.”

Eine große Riege bekannter und weniger bekannter Cartoonisten setzt dem Großmeister des feinen, tiefsinnigen Humors ein stilistisch vielfarbig gezeichnetes Denkmal, das die Herausgeber Steffen Gumpert und Denis Metz als “Eine Hommage an einen unseriösen Herrn von Format” bezeichnen. Ganz wundervoll die Assoziation von Metz zum berühmten Bild-Sketch, übertragen auf die Beisetzungssituation mit der abgewandelten Schlüsselzeile “Der Sarg hängt schief”, die mich den Verlust von Loriots kongenialer Sketchpartnerin Evelyn Hamann (1942-29007) gleich mitdenken lässt. Auch Gumperts Bildergeschichte, in der er den sprechenden Hund wiederaufleben lässt, der am Ende tatsächlich mehr als “Hoho” sagen kann, würdigt den Meister auf angemessene Weise.

Ob gelungene Wortwitze wie der von unserem guten alten Bekannten Oli Hilbring, der seinen Betrunkenen-Cartoon “Grappa Ante Portas” betitelt, oder subtile Zitate wie das von Tetsche, der Loriots bekannten Sinn-Spruch “Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos” auf Loriot abwandelt, selbstredend von einem Mops gesprochen, die überwiegende Anzahl der Beiträge hat Pfiff und Esprit und würde Loriot sicher sein so sehr vermisstes schelmisches Mundwinkel-Lächeln abverlangen.

Ob ganz ohne Worte wie bei Gerhard Haderer, der Loriot samt Gummi-Wum in der Hotelbadewanne Platz nehmen lässt oder die mehrfache Nutzung von Loriots Grabstein als Message-Medium – mal von einer schlichten Nudel geziert (Michael Mantel), von der legendären Steinlaus (Polo) angeknabbert oder als Reminiszenz an den brüllend komischen Erwin Lottemann, äh Lindemann-Sketch – die komischen Vorlagen des Vicco von Bülow werden teils kongenial verwandelt.

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Rührend als Momentum stiller Komik die von Christiane Pfohlmann nachgestellte berühmte Badewannenszene mit Herrn Müller-Lüdenscheidt und Doktor Klöbner, die einfach nur die Hände vorm Gesicht auf dem Badewannenrand sitzen und um ihren Schöpfer trauern.

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128 vergnügliche und besinnliche Seiten, die im Lappan Verlag erschienen und für lachhaft günstige 12,95 Euro das ideale Geschenk für einen selbst und für jeden anderen sind, der Loriot liebt. Und wer täte das nicht?

www.lappan.de



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