Musik - 22.09.12 -

Kongenial produziert von Ben Harper

Teuflisch gute Coversongs: Rickie Lee Jones

Was hat uns in diesem überaus reichen Musikjahr noch gefehlt? Genau – ein richtig gutes Coveralbum (Teil 2 der fantastischen Jeffrey Lee Pierce Sessions lassen wir hier mal als spezielle und serielle Hommage außen vor)! Jetzt aber ist es da – der großen Rickie Lee Jones sei Dank. Die amerikanische Songwriterin hat es sich nicht nehmen lassen, mit “The Devil You Know” ein reines Interpreten-Album aufzunehmen, dass dem Albumtitel gemäß eine teilweise diabolische Atmosphäre erzeugt.

Vom ersten Ton an ist man gefangen von diesen Cover-Gespensten, die Jones jammern und klappern lässt wie das sonst die Eigenschaft ihres ehemaligen Lovers Tom Waits ist. Schon die mehr gewimmerte als gesungene Fassung des Rolling Stones-Klassikers zum Einstieg ist schlicht famos. Etwas Akustikgitarre dazu, bedrohlich wirkende Orgelatmer, pointierte Percussions, melancholische Melodicaspuren, eine übersäuerte Gitarrenphrase im Ausstieg und fertig ist eine völlig Wahrnehmung auf das Songwriting von Jagger Richards. Allein diese fabelhafte, surreal wirkende Neubearbeitung ist bereits das ganze Album wert.

“Only Love Can Break Your Heart” von Neil Young ist der nächste Hochkaräter, dem Rickie Lee Jones neuen zarten Glanz verleiht, indem sie den Song vor sich hin zu träumen scheint. “Masterpiece” macht seinem Titel und Autor alle Ehre und ist zugleich eine Würdigung der glänzenden, kongenialen Produktion von Ben Harper (!), der alle Songs auf ihre Essenz reduziert und sehr karg und subtil instrumentiert. Wunderschön auch die Reminiszenz an Robbie Robertson (The Band) namens “The Weight”, die lediglich mit Piano-Begleitung auskommt und von Jones einzigartig emotionalem Gesangsstil getragen wird.

Selbst dem gefühlt schon 1000 Mal gecoverten Blues-Traditional “St. James Infirmary” verstehen Jones und Harper mit ihrer wie trunken taumelnden Fassung noch eine neue faszinierende Seite abzugewinnen. Van Morrison ist der nächste große Name, dessen “Comfort You” Rickie Lee auf schlichteste und damit schöne, weil den Song atmen lassende Weise adaptiert. Wahrlich zum Wohlfühlen! Eine weitere Freude auch, das gute alte “Reason To Believe” von Tim Hardin auf so angemessene Art wieder zu hören, veredelt mit einfühlsamer Violine. Auf Augenhöhe mit der nach wie vor Herz erwärmenden Version von Rod Stewart.

Die zweite Verbeugung vor Mick und Keith macht Jones mit dem Cover des weniger bekannten Stones-Songs “Play With Fire”, das vor über 40 Jahren als Single-B-Seite des Hits “The Last Time” veröffentlicht wurde. Passt perfekt in den ruhigen, etwas unheimlichen, schwermütigen Kontext der Gesamtstimmung, die dazu einlädt, all diese liebevoll aufbereiteten Lieder vor dem Kamin oder unter der warmen Bettdecke zu hören. “Seems Like A Long Time” von Theodore Anderson, das Rod Stewart ebenfalls schon einmal gecovert hat, bietet hinter Jones Stimme Platz für Harpers warmes Hintergrundsummen- und brummen und lyrische Orgeltupfer. Mit Donovans “Catch The Wind” noch einen emotionalen Höhepunkt, der das Album mit einem zarten Lichtstrahl enden lässt.

Ein sehr dichtes, stimmiges Cover-Album, wie es zuletzt Patti Smith mit “Twelve” gelang – Herbst und Halloween können kommen!

www.rickieleejones.com



1 Kommentare zu “Teuflisch gute Coversongs: Rickie Lee Jones”

Mayo Velvo am 22. September 2012 17:32

… als Tipp zu Weiterhören: auch Rickie Lee Jones’ ‘erstes’ Cover-Album – “Pop Pop” von 1991 – war schon großartig!
M*

Kommentar schreiben