Musik - 20.09.12 -

Patriotischer Ausflug in Zeiten der Präsidentschaftswahl

The Killers • Battle Born

Selten hat eine Band in den letzten 10 Jahren ihre Fangemeinde immer wieder auf‘s Neue geteilt, vergrault aber auch wundersam ausgetauscht und erneuert. Mit ihrem vierten Studioalbum „Battle Born“ (Universal) bewegen sich The Killers weniger auf neues Terrain, als vielmehr retrospektiv in Richtung Album N°2, „Sam‘s Town“ (2006). Nicht zwingend die cleverste Idee, die Brandon Flowers und Co. nach ihrem letzten, Glam-Pop inspirierten Album „Day & Age“ (2008) haben konnten.


So scheint diesmal den Herren Flowers, Keuning, Vanucci und Stoermer besonders am Herzen gelegen zu sein, dem US-amerikanischen Radio-FM Rocksound der 90er Jahre ein Denkmal zu setzen – überdies steht eine Präsidentschaftswahl an, und die Massen wollen bewegt sein. Hat diese Art von musikalischer Preisgebung bei U2 und den Simple Minds in den 80ern noch weltweit als Karrierebeschleuniger gedient, mag das heute im Land der nicht mehr ganz so unbegrenzten Möglichkeiten noch gut funktionieren, aber im Rest der Welt als eher etwas ,überholt‘ aufgenommen werden. Da ändern auch fünf namhafte Produzenten wie Brendan O’Brien, Steve Lillywhite, Damian Taylor, Stuart Price und Daniel Lanois nicht viel dran. Nur zu gut, dass Brandons stimmliches Volumen und sein unverkennbarer Gesangs-Stil den Hörer über so manche musikalische Einfältigkeit  hinwegträgt.

Trotz allem hat die Band nichts an ihrer Kraft und Balladendramatik verloren, auch wenn sich das nicht unbedingt beim ersten Hören erschließt. Zu dominant sind eben rock-orientierte Songs à la Bruce Springsteen oder U2, wie die Vorab-Single ,Runaways‘ oder besonders ,The Rising Tide‘. Doch beim näheren Zuhören kristallisieren sich filigrane Midtempo Nummern wie ,Deadline And Commitments‘, hingebungsvolle Balladen wie ,Here with you‘ oder ,Be still‘ angenehm heraus. Und als wäre all das noch nicht genug, ziert den abschließenden Titelsong ,Battle Born“ unüberhörbar reichlich Queen-Flair.
Ob die Killers nun absichtlich stilistisch ein wenig zurückrudern, um verprellte Fans der ersten Schaffensperiode wieder zurückzugewinnen oder sich, wie bei jeder neuen Platte von der vorhergegangenen, bewusst musikalisch abgrenzen wollen, sei dahingestellt.

Immerhin lässt der Bonus-Remix des Openers ,Flesh And Bone‘ von Jacques Luconte (der ja einst auch ,Mr. Brightside‘ zum Club-Hit machte) hoffen, dass Brandon Flowers und seine Crew, nach diesem patriotischen Ausflug, wieder eine 180° Wende zu alternativem Tanz-Pop wagen. Zuzutrauen wäre es ihnen und die Hoffnung stirbt ja, selbst in Las Vegas, zuletzt.

Tourdaten & Infos:

http://www.thekillersmusic.com/showtime



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