Live - 15.09.12 -

Perfekter Tex-Mex-Mix

Calexico begeistern live mit neuem Album

1996 wurde Calexico von den beiden Giant Sand Aussteigern Joey Burns und John Convertino gegründet. Ich kenne keine Band, die sich so kontinuierlich auf derart hohem Niveau weiterentwickelt hat, von Album zu Album reift und vor allem live derart mitzureißen versteht wie die Folkrocker aus Tuscon/Arizona. Gestern präsentierten die Wüstensöhne im Kölner E-Werk zum Tourstart ihr neues Album “Algiers”, mit dem Calexico abermals eine ausgewogene Perle von lebensfrohem Temperament und melancholischem Sentiment gelungen ist.

Das in New Orleans aufgenommene 7. Album, das seinen Titel dem Stadtteil verdankt, in dem die Aufnahmen stattfanden, knüpft nahtlos an das Klassewerk “Carried To Dust” an und legt erneut wunderschöne Melodiespuren in die weiten Prärie-Landschaften der Americana,  kongenial verbunden mit Folk, Rock und mexikanischem Feeling. Neben vielen alten Bekannten verwöhnt die Band an diesem Abend das Kölner Publikum mit zehn der zwölf neuen Songs und dieses ohnehin schon äußerst hochwertige Liedgut erfährt durch das traumwandlerisch sichere und leidenschaftliche Spiel der 7-köpfigen Band eine nochmalige klangliche Verdichtung und Wirkungssteigerung. Mit “Dead Moon” ist unter den neuen Tracks sogar ein besonderes Juwel, das Burns und Convertino bereits 2001 als Hommage an die gleichnamige Garage Rock schrieben und seinerzeit zusammen mit The Black Heart Procession erstmals öffentlich spielten (nur als Bonus Track der amerikanischen itunes Deluxe Edition erhältlich).

Calexico eröffnen den Gig mit der kompakten Rockhymne “Epic”, die sich durch ein markantes schillerndes Gitarrenriff und den wie immer fein gesetzten Bläsern auszeichnet. Wie bei Calexico-Konzerten gewohnt setzen die Mariachi-Trompetensätze wieder viele der musikalischen Glanzpunkte, ob lyrisch wehmütig oder messerscharf pointierend. Vor allem bei den mexikanisch gefärbten Folkrocksongs eine Bank für klangliches Volumen und auch für die Bewegungsfreude der Zuhörer. Calexico geht eben nicht nur tief ins Herz, sondern auch umgehend in Hüften und Beine. Mit spürbarer Freude geht die Band ihrer Passion nach und spielt ein Meisterstück nach dem anderen. Das forsche, Garagenrock-artige “Splitter” folgt als dritte neue Nummer und mit Song sechs und sieben stehen zwei der Höhepunkte von “Algiers” auf der Setlist. Zuerst die traumschöne Ballade “Fortune Teller” mit einer unwiderstehlichen Melodie auf der akustischen und dem warmherzigen Gesang von Joey Burns, der sich über die Jahre zu einem wirklich formidablen Sänger entwickelt hat. Das lyrische, mit geheimnisvollem Slidegitarren-Feeling dunkel vibrierende “Para” verursacht Gänsehaut und gipfelt mit seinen kräftigen Trompeten-Farben in einer der dichtesten Hymnen der Bandgeschichte.

Einmal mehr erwähnenswert ist auch das präzise, stilistisch vielfältige, kontrastreiche Spiel von John Convertino, einem der derzeit kreativsten Drummer des Folkrock, der von zart bis hart jede Percussionvariante beherrscht. Das gepaart mit dem blinden Verständnis zu Burns und den anderen Bandmitgliedern macht jeden Song zu einem Ereignis. Leichtfüßig locker kommt der instrumentale Titelsong daher, “Puerto” liefert einen erneuten Beweis dafür, dass keine andere Band derzeit mehr Gefühl für eingängige und mitreißende Latinharmonien besitzt. Einfach fabelhaft diese Balance aus Emotion und Kraft! Mit Hush” und dem brillanten, im staubigen Tango-Rhythmus dahin schleichenden Rocker “Sinner In The Sea” – ebenfalls von genialen Bläserphrasen umkränzt, haben Calexico die Bühnenreife des neuen Materials nachhaltig und beeindruckend nachgewiesen.

Einzig auf “No Te Vayas” und das meiner Meinung nach schönste Kleinod des neuen Albums, das karge, hauchzarte “Better And Better” müssen die Zuhörer verzichten. Und die laut Setlist vorgesehene zweite Zugabe mit drei weiteren Songs wurde spontan ebenfalls gestrichen, so dass das Konzert nicht mit dem sicher von vielen Fans gewünschten “Two Silver Trees” zu Ende ging, sondern mit dem Schlusslied des neuen Albums “The Vanishing Mind”, das als wirklich passender wunderschöner Ausklang aber auch kein Lied mehr nach sich vertragen hätte. So gehen Publikum wie Band nach knapp zwei Stunden Hörgenuss und Spielfreude zufrieden und beglückt ihrer Wege im Gefühl vollkommener Harmonie und Wohlbefindens. Ein perfekter Abend!

Und um der Chronistenpflicht – insbesondere für die Feinohren – gänzlich Genüge zu tun. “Algiers” gibt es auch in einer Limited Deluxe Edition mit der Bonus-CD “Spiritoso”, die sehr gelungene Fassungen neuer und älterer Songs von Calexico im symphonischen Gewand vorführen, u.a. mit dem Filmorchester Babelsberg. Superb!

Die weiteren Tour-Termine:

20.09. Centralstation – Darmstadt
21.09. Volkshaus – Zürich
22.09. Konzerthaus – Wien
23.09. HUXLEY’S NEUE WELT – Berlin (ausverkauft)
25.09. Große Freiheit 36 – Hamburg
15.11. Volkshaus – Basel
16.11. Werk 2 – Leipzig
18.11. Schlachthof – Wiesbaden
26.11. Posthof – Linz
28.11 Republic – Salzburg
29.11. Muffathalle – München

26.02.2013 Zakk – Düsseldorf

www.casadecalexico.com



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