Musik - 14.09.12 -

Der 13. Apostel namens DEE

Gottes Werk und Wovenhands Beitrag

Es ist ein zartes Pflänzchen, was da via Cover vom neuen Wovenhand-Album “The Laughing Stalk” so trügerisch lockt. Doch hinter diesem fragilen Pflanzenstengel wartet das bei weitem härteste und virilste Werk, das die andächtige Rockgemeinde je von seinem Messias David Eugene Edwards geschenkt bekam. Frohlocket Jünger, denn Eure Gebete sind erhört worden, DEE fegt seine Klangkathedrale mit Sturm und Drang und verkündet und predigt von der Kanzel herab die Worte des Herrn mit Gitarrenfeuer und Psalmenpeitsche.

Im neuen Line-Up nach dem Ausscheiden von Langzeitmitglied und Bassist Pascal Humbert (Lilium) präsentiert DEE seine Alternative Country Band und ihr neues Werk als „most heavy incarnation,“ wie Glitterhouse Records es formuliert (für mich mit seinen tollen Releases in Serie das Indie-Label des Jahres). Die Frischzellenkur von Wovenhand kommt einer Wiederauferstehung gleich, denn man erkennt seine Band zwar gleich wieder, aber sie erstrahlt in neuer Herrlichkeit. Mit den Zugängen Chuck French (git) und Gregory Garcia jr. (b) und dem verbliebenen Drummer Ordy Garrison treibt Edwards Wovenhand mit Wucht zu neuen Höhen. Gleich vom Start weg brennt bei “Long Horn” das Feuer aus den Gitarrenläufen und aus DEE’s Stimme, um gleich alles Böse der Verdammnis zu übereignen.

Reifer Messwein im neuen goldenen Klangkelch serviert die Band mit dem Titelsong, in dem der Erzengel Emanuel hymnisch beschworen und auf weihevollen Saitenklängen gepriesen wird. “In The Temple” geht Wovenhand selbstredend, um missionarisch Songweihrauch zu verbreiten, der immer dichter wird und die Sinne umnebelt. Einer der besten Songs, der je aus DEE’s Feder geflossen ist, ist “King O King” mit seinen verzerrten Gitarren und seinen treibenden Rhythmen. Die Gerechtigkeit gebietet es, Ordy Garrison und seine exzellenten Tribal-Percussionarbeit besondere Ehrfurcht zu erweisen. Die führt er im manischen “Closer” zu neuen Höhen, das nicht nur wegen des Drummings, sondern auch wegen des Songtitels und Edwards Intonation eine offenkundige Verneigung vor Joy Division ist.

Im erhabenen “Maize” sät und erntet DEE mit seiner Band kostbaren Songweizen, auf dass er die Gemeinde mit vollen Songfrüchten nähre. Wieder sind es die rotierenden Drum-Ornamente, die “Coup Stick” Tür und Tor in den heiligen Raum des Wovenhand-Klangs öffnen. “As Wool” kommt mit gewaltiger Schönheit wie ein gleißender Lichtstrahl aus einer dunklen Wolke, um Erlösung zu verkünden. Und die finale Litanei “Glistening Black” schließlich salbt unsere Häupter mit dem Balsam der Hoffnung, dass Wovenhand in ein einigen Jahren wiederkehren und uns mit neuen großartigen Songs segnen.

Ein Album-Rosenkranz mit 9 Song-Perlen, ach was mit 9 in Stein gemeißelten Song-Geboten, die uns einmal mehr vor Augen führen, was für ein großartiger Songwriter dieser David Eugene Edwards ist und

Musik als Monstranz. Auf die Knie, ihr Jünger!

www.wovenhand.com



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