Musik - 02.09.12 -

Schwarzwälder Kuschel-Jazz

Max Mutzke • Durch Einander

Das Dilemma der deutschen Popmusik der Gegenwart, gerne entweder hemdsärmlig massenkompatibel, weinerlich soulig bei maximal 40 bpm oder wahlweise ephemer poppig mit piepsiger Mädchenstimme garniert daherzukommen, ist hinlänglich bekannt. Nur selten verließen in den letzten 40 Jahren deutsche Künstler und ihre Produktionen dieses sorgfältig abgegrenzte Areal auf einem sonst von der Chimäre ,Schlager‘ besetzten Terrain. Vielleicht nur Kraftwerk, die Frühwerke von Udo Lindenberg, Nina Hagen und Nena, Die Fantastischen 4, Element Of Crime, Rammstein, 2raumwohnung und Peter Fox/Seeed scheint es gelungen zu sein, eine (wenn auch gelegentlich nur temporäre) eigene künstlerische Definition gefunden zu haben. Nun soll es also (mal wieder) Max Mutzke mit seinem neuen Album „Durch Einander“ (Sony Music) richten.
Der sympathische junge Mann aus dem Südschwarzwald, der schon 2004 beim Eurovision Song Contest in Instanbul, an der Seite von Stefan Raab, mit ,Can‘t wait until tonight‘ für Deutschland einen ehrenwerten 8.Platz erreichte, kehrt nun – vollmundig promotet – „zum Jazz zurück“. Das klingt erst einmal immer gut, und schließlich ist der Schwarzwald seit der Gründung des MPS Labels (Musik Produktion Schwarzwald, 1968) längst kein weisser Fleck mehr auf der Landkarte des Jazz. Wer nun aber ähnliches wie Oscar Peterson, Albert Mangelsdorff oder den Singers Unlimited erwartet, wird schnell eines anderen belehrt.
Keine Frage, da singt sich Herr Mutzke – auf deutsch und englisch – stimmlich sattelfest durch ein buntes Repertoire von Eigenkompositionen und Coverversionen. Diese sind entweder intensiv wie „A Song For You“ (Leon Russel) oder stilistisch reduziert, was Radioheads ,Creep‘ zu einer der Perlen des Albums werden lässt.

http://vimeo.com/45013600

Hingegen Versionen von ,Empire State Of Mind‘ (Alicia Keys), ,You are so beautiful‘ (Billy Preston/Joe Cocker) aber vor allem Billy Pauls ,Me & Mrs Jones‘ (1973 ultimativ gecovert von Johnny Mathis), bleiben im, durchaus gut gemeinten, eins-zu-eins Interpretationsmorast stecken. Einer der hingegen weiss wie ,Covern‘ geht, nämlich Nils Landgren, führt Max Mutzke durch eine wunderbar zerlegte Fassung von Marvin Gayes ,What‘s going on‘, dass man beinah jegliche Erinnerungen ans Original vergisst – Mutzke selbst, gesanglich über sich hinauszuwachsen scheint und tatsächlich mal „Jazz“ im Raume ist.
Ansonsten bewegt sich dieses „Durch Einander“ irgendwo zwischen gepflegtem Pop und jazzigem Salon-Soul hin und her, was durchaus nichts Ehrenrühriges ist, aber auch nicht wirklich deutschen ‘Pop’ noch ‘Jazz’ (im weitesten Sinne) ‘anders’ definieren könnte oder gar wollte. (Dass dies aber möglich ist, bewieß der durchaus stilistisch wie stimmlich verwandte Flo Mega mit seinem Debütalbum “Die Wirklich Wahren Dinge” im vergangenen Jahr!)

Da namhafte Gäste jedenfalls immer gut sind, hat es derselben gleich eine ganze Riege: so geben sich u.a. Götz Alsmann, Cassandra Steen, Wigald Boning (mit einem herrlichen Querflöten-Solo auf  ‘Sommerregen’), Klaus Doldinger und Thomas D die Ehre, letzterer in einem homoerotischen Duett mit dem Titel ,Du bist zu sexy‘ – definitiv ein Highlight im Repertoire.
Den musikalischen Rahmen liefern Mutzkes Musiker, Wolfgang Haffner (Schlagzeug), Roberto Di Gioia (Piano, Cello) und Andreas Kurz (Bass), die für eine durchweg handwerklich solide Basis sorgen, die absehbar ein Publikum ab 30 aufwärts ansprechen wird. Vielleicht aber spricht der ,Jazz‘ in seiner hier dargebotenen ,Light-Version‘ dann doch auch ein jüngeres Publikum an, so wie einst Sade in den 80ern, und macht Appetit auf mehr – dem Jazz und Max Mutze wäre es gleichermaßen zu wünschen.

www.maxmutzke.de
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