Musik - 01.09.12 -

Gipfeltreffen deutscher Songwriter

Kid Kopphausen – die Buddy-Band der Stunde

Darauf habe ich lange warten müssen, dass ein deutsches Rockalbum mal wieder über die ganze Spiellänge an “Weißes Papier” von Element of Crime von 1993 heranreicht. Fast 20 Jahre also hat es gedauert, bis sich mit Ex-Fink Nils Koppruch und Gisbert Zu Knyphausen zwei der besten deutschen Songwriter zusammengefunden haben und als Band Kid Kopphausen mit ihrem Debütalbum “I” zum EOC Indie-Meisterwerk aufschließen.

Vom ersten Ton an hat man das Gefühl, dass sich hier zwei Brüder im Geiste und an der Gitarre gesucht und gefunden und eine höchst stimmige und abwechslungsreiche Sammlung von Songs im Bereich von Country, Folk und Rock zusammengetragen haben. So wie den Gesang teilen die beiden auch die Lorbeeren der Songcredits brüderlich unter sich auf. Apropos brüderlich. Es ist schon etwas Besonderes, wenn zwei Songwriter dieser Klasse ganz uneitel gemeinsame Sache machen und dann auch gleich so harmonieren als wären sie Zwillingsbrüder.

Den ersten Plan zur Zusammenarbeit haben Koppruch und zu Knyphausen wohl 2007 in einem Cafe in Berlin Mitte den Plan geschmiedet, an der Ostsee schließlich führten sie ihr Bandprojekt zur Reife und nahmen die Lieder auf, die allesamt ein großes Hörvergnügen bieten. Angefangen beim rotzig rockenden Opener “Hier bin ich”, der die Messlatte gleich richtig hochlegt mit seinem trockenen harten Beat, dem schallenden Gitarrenriff, akzentuiertem Westernpiano und dem gesanglichen Wechselspiel der Protagonisten. Klasse!

“Schritt für Schritt” stößt die Tür weit auf in eine harmonische Folklandschaft, deren Harmonien herrlich entspannt daherkommen. Im Up-Tempo-Modus von “Das Leichteste der Welt” gibt sich der typische Gisbert zu erkennen, wie wir ihn von seinen beiden formidablen Soloalben lieben. Auf “Im Westen nichts Neues” verbreitet Nils allerschönste Westernromantik, gefolgt vom A capella-Feeling des Rock-Gospels “Schon so lang.” Mit der Moritat “Meine Schwester” folgt einer der besten unter den vielen guten Tracks mit tollem Text und als gitarrenheller Country-Stampfer angelegt. Prächtig ihr Cowboys!

Zum Verlieben ist die Ballade “Wenn ich dich gefunden hab”, die als schwerer Walzer durchs Gehör taumelt und den Staffelstab an den nächsten Songkracher weiterreicht. “Zieh dein Hemd aus” ist ein moderner Rockshantie, der zum Mitsingen des Refrains und zu eifrigem Fußwippen verführt. Ein Momentum Magie versprüht das “Haus voller Lerchen”, das von seiner geheimnisvollen Stimmung lebt. “Wenn der Wind übers Dach geht” gibt sich spooky und klappert ein wenig durch Holzhausgebälk – die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Und schließlich folgt vor den beiden letzten ebenfalls gelungenen Songs, dem launigen “Jeden Montag” und dem starken Abgesang “Nur ein Satz” der absolute Höhepunkt: die “Mörderballade”, die im wahrsten Sinne des Wortes eine solche ist.

Kurzum: Volle Punktzahl für dieses tolle deutschsprachige, bei Trocadero erschienene Album, an dem man sich wieder und wieder erfreut wie an den Begegnungen mit einem besonders guten Freund. Stetson ab für die Herren “Butch” Koppruch, “Sundance” zu Knyphausen und ihre erstklassigen Bandmitstreiter Alexander Jezdinsky, Felix Weigt und Marcus Schneider, die den Tross der glorreichen Fünf komplettieren.

kidkopphausen.de

trocadero-home.com



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