Musik - 01.09.12 -

Die Auferstehung eines großen Songwriters

Bill Fay – Staunen über das Wunder Welt

Das eigentliche Wunder im Zuge der Veröffentlichung des Albums “Life Is People” ist die Tatsache, dass sein Schöpfer Bill Fay 41 Jahre (!) lang in der musikalischen Versenkung verschwunden war. Das Comeback des britischen Songwriters mit seinem erst dritten offiziellen Studioalbum kann also getrost als kleine Sensation gewertet werden. Und die Songs lassen einen erstaunt fragen, wieso diese wunderbar sanfte menschliche Stimme so lange nicht zu hören war, denn es ist eine sehr rührende Rückkehr mit warmherzigen Songs.

Schon auf den ersten beiden Alben waren die großen Sinnfragen der Menschheit, apokalyptische Mahnungen und biblische Motive die zentralen Stoffe, aus denen der Pianist und Sänger seine zarten Songs webte. So kann es kaum überraschen, dass der nahezu Unbekannte in der kürzlich veröffentlichten Rolling Stone-Liste der Top 100 Singer/Songwriter Alben mit seinem zweites Werk “Time Of The Last Persecution” eine gesonderte Erwähnung fand. Vier Dekaden später nun knüpft der Humanist Fay an dieses messianisch melancholische Meisterwerk an, zu dessen Verehrern Jeff Tweedy zählt, der vor Jahren bereits “Be Not So Fearful” von Fays Debütalbum coverte. Der Wilco-Mastermind hat es sich dann auch nicht nehmen lassen, als Gastsänger auf “This World” dem Vorbild die Reverenz zu erweisen. Bill Fay wiederum bedankt sich bei seinem Bewunderer mit einer kongenialen Adaption von “Jesus, etc.”, die perfekt in den Kontext des Albums passt.

“Life Is People” ist ein Album, das geprägt ist von Dankbarkeit und Demut eines Menschen dem Leben gegenüber, auf dem Bill Fay auf sehr berührende, weil so spürbar bescheidene Weise seine Spiritualität in schlichte, anmutige Songs fließen lässt und uns Zuhörer staunen macht mit seinem Staunen über das Wunder Welt. Seine warme Stimme predigt auf unprätentiöse, sympathische Weise Ehrfurcht vor dem Geschenk des Lebens und seine Textzeilen wirken wie Psalmen aus der Feder eines spät berufenen Apostels, die sich vor dem Schöpferischen verneigen. Die “Thank You Lord” gehört für mich neben Joe Henrys Gänsehauthymne “God Only Knows” und “Open” von Waterboy Mike Scott zu den schönsten musikalischen Gebeten der Gegenwart.

Durchzogen von diesen Bildern sind alle Balladen auf diesem Album, das darum zugleich so himmlisch wie geerdet klingt, metaphysisch, wie aus der Zeit gefallen. Und so lernen wir Bill Fay als außerordentlichen Songwriter – in diesem Fall darf man wohl sogar sagen von Gottes Gnaden – kennen, der wie ein britischer Gegenentwurf zum ebenfalls hoch verehrten Randy Newman wirkt, frei von Sarkasmus und Zynismus eben und doch in seinem kritischen Blick auf die zerstörerischen Kräfte des Menschen wach und offen, aber versöhnlich und tröstlich.

Die Auferstehung und Wiederentdeckung des Jahres!

www.facebook.com/billfay.lifeispeople

www.myspace.com/billfay



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