Musik - 26.08.12 -

Komm, heilige Melancholie

Andrea Schroeder sei Dank – der Herbst kann kommen

Vor einigen Wochen habe ich gemutmaßt, dass das Debüt der Berliner Songwriterin Andrea Schroeder möglicherweise das Newcomerwerk des Jahres werden könne. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Ohrtrommler alle Flimmerhärchen rechtzeitig in Bereitschaft hatte. Mit dem von Glitterhouse für den 28. September angekündigten “Blackbird” erwartet uns wirklich ein wunderbar morbid-melancholisches kleines Meisterwerk, wie es den Herbst besser nicht einleiten und begleiten könnte.

Beim ersten Durchhören des Albums ging mir das schöne Erich Kästner Gedicht “Traurigkeit, die jeder kennt” durch den Sinn. Denn diese Grundstimmung durchzieht alle Songs der Berlinerin, bei der ich durchaus eine Seelenverwandtschaft zum großen deutschen Melancholiepoeten vermute. Dass der omnipräsente Chris Eckman (The Walkabouts, Dirtmusic) auf diese dunkle, geheimnisvolle Timbre abgefahren ist und das Debüt produzierte, kann nicht verwundern, ist die stimmliche Nähe von Andrea Schroeder zu seiner musikalischen Langzeit-Partnerin Carla Torgerson doch unüberhörbar. Vortrefflich unterstützt wird die attraktive Newcomerin außerdem durch ihren Lebensgefährten Jesper Lehmkuhl, ein dänischer Songwriter, der mit seiner Band Farmen sicher auch bald noch mehr von sich reden machen wird.

Die in der durchweg begeisterten Presse mitunter gezogenen Vergleiche mit Patti Smith kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Bei mir evoziert Andrea Schroeder durch die sinnlich-kühle Art ihres Vortrages viel eher noch Erinnerungen an die Velvet Underground Muse Nico (Christa Päffgen) und an die frühe Marianne Faithfull. Auf jeden Fall gut für eine schöne Schwermut und die eine oder andere Gänsehaut.

Coming soon on Glitterhouse Records – Andrea Schroeder * Blackbird * from Andrea Schroeder on Vimeo.

Wie auch immer, jede positive Reverenz würdigt nur dieses erstaunliche Debüt, dessen vorab veröffentlichte Songs wie “Blackbird” oder “Blackberry Wine” deutlich machen, dass die Kennzeichnung des Albums als Debüt des Jahres nicht zu hoch gegriffen ist. Allein diese beiden Songs sind bereits den Kauf des ganzen Albums wert. Wonderful! Eine ausführliche Rezension von “Blackbird” gibt es hier zeitnah zur Veröffentlichung. Ich würde empfehlen, das Werk jetzt schon mal bei Glitterhouse vorbestellen.

www.andreaschroeder.com

www.myspace.com/andreaschroedermusic

farmenmusic.com



1 Kommentare zu “Andrea Schroeder sei Dank – der Herbst kann kommen”

Wolfgang von F am 27. August 2012 17:46

Wir fiebern dem Termin entgegen. Eine Gänsehautstimme !!!!!

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