Musik - 08.08.12 -

Attention please! Scientology inside!

Elvis lebt! In Gestalt der Presley-Tochter Lisa-Marie

Diese Lobeshymne hier muss mit einem expliziten Warnhinweis beginnen. Wer sich wie ich in das Album “Storm & Grace” von Lisa Marie Presley verliebt (was leicht geschehen kann), sollte wissen, dass die Elvis-Tochter Mitglied von Scientology ist und gewissenhaft entscheiden, ob er gewillt ist, das Werk käuflich zu erwerben und damit Geld in den Rachen der gefährlichen Sekte zu werfen.

Doch so suspekt mir Frau Presley und gleich gesinnte Zeitgenossen wie Tom Cruise, Nicolas Cage oder auch Jazz-Ikone Chick Corea ob ihrer Hubbard-Clear-Weltherrschafts-Anhängerschaft sind, den künstlerischen Wert solcher gedanklichen Irrläufer kann man nicht ignorieren. Lisa Marie, die wie ihre Mutter Priscilla Presley (Dallas, Die nackte Kanone) dazu neigt, sich mithilfe der Schönheits-Chirurgie die natürliche Schönheit systematisch zerstören zu lassen, hat zumindest ihre Stimme in Würde altern lassen, die über eine erstaunliche Verführungskraft verfügt und Songs wie “Close To The Edge” unwiderstehlich macht.

Das Songwriting ist insgesamt exzellent. Die Produktion ist es auch, was nicht verwundern kann, da mit Altmeister T-Bone Burnett eine Produzenten-Zauberhand (12-facher Grammy-Gewinner u.a. für “Raising Sand” von Alison Krauss/Robert Plant) die künstlerische Aufsicht bei “Storm & Grace” hatte. Der bezeichnete die Demos der Songs als “ehrlich, rau, unaffektiert und soulful” und riss sich anschließend regelrecht um den Job am Mischpult.

An keinem der 15 Songs der früheren Mrs. Jackson (ja, die war tatsächlich kurzeitig mit dem King of Pop verheiratet), die ein Amalgam aus Southern Folk, Country, Rock und Blues mit einem Hauch Düsternis bilden, gibt es etwas zu mäkeln. Die Melodien fließen äußerst harmonisch, stellen den wirklich tollen Gesang von Lisa Marie in den Mittelpunkt, und trotz zugänglichem Mainstream-Feeling sind dank großartiger Co-Autoren wie Ed Harcourt, Richard Hawley und Sacha Skarbek (Adele, Jason Mraz) genug Ecken und Kanten drin, um einen allzu glatten Höreindruck zu vermeiden. Elvis wäre ganz sicher stolz auf seine Tochter – zumindest was das musikalische Talent angeht.

Also, meine Empfehlung. Hört Euch “Storm & Grace” ruhig via Stream an, ihr müsst es ja nicht gleich kaufen oder downloaden. Dann habt Ihr viel Freude daran und das Finanzwesen der Sekte weit weniger.

lisamariepresley.com



Kommentar schreiben