Die Frau für jede Tonart
Tipp: Mit Holly Cole die Nacht verbringen
Holly Cole ist eine jener Sängerinnen, die jedes Songmaterial zu adeln verstehen. Die in Halifax/Nova Scotia geborene und in Toronto lebende Chanteuse hat sich im Laufe ihrer bisherigen Karriere an einigen Stilen versucht und ist noch jedem gerecht geworden. Das weiß man spätestens seit ihren Tom Waits Interpretationen auf “Temptation” oder ihrer wunderbaren Fassung von ”I Can See Clearly Now.” Mit ihrem neuen Album “Night” konzentriert sich die Sängerin wieder ganz auf die Strahlkraft ihres Jazz-Feelings.
Für das am 24. August erscheinende Album hat die Kanadierin, die im November 50 wird, erneut eine exzellente Songauswahl getroffen, verleiht Liedern ganz unterschiedlicher Herkunft mit ihrer warmen Stimme besonderes Flair und führt sie zu einem homogenen Werk zusammen. Gleich im Opener nimmt sie sich den John Barry-Song „You Only Live Twice“ vor, den seinerzeit Nancy Sinatra zum gleichnamigen James Bond-Film interpretierte. Coles Version steht dem Original in nichts nach.
Aus “Walk Away” von Tom Waits, für dessen begnadetes Songwriting Holly offenbar immer noch ein großes Faible hat, macht sie einen schönen Jazz-Schieber mit saftigem Kannengebläse. Da wird das Wohnzimmer zum Nightclub. Auch ein Folksong wie „Good Time Charlie’s Got The Blues“ von Danny O’Keefe fügt sich harmonisch ins Gesamtkonzept des Albums und lebt vom Timbre der Sängerin, die immer genau weiß, wie sie ihre Stimme einzusetzen hat und nie aufdringlich wirkt.
Wie für sie gemacht ist der Oldie „You’ve Got A Secret“ von ihrem großen Namensvetter Nat King Cole, den sie mit viel Sex Appeal ins Mikro haucht, begleitet von sparsam gesetzten, akzentuierten Bass und Klarinetten-Akkorden – großartig. Mit “Viva Las Vegas” huldigt Holly gekonnt dem Songwriter Mort Shuman, gefolgt vom Balladenklassiker „I Only Have Eyes For You“ und einer Reminiszenz an das kanadische Spätsechziger-Duo The Poppy Family mit „I Thought Of You Again.”
Und der Endspurt ist dann besonders exquisit. Beginnend mit einer Interpretation von “Love Lies,” einem Song der vor zwei Jahren verstorben Legende Captain Beefheart. Hier stilistisch an Joe Henrys großartigen Songs “Flesh And Blood” erinnernd mit seinem subtilen, schleppenden Piano und Bass Bluesfeeling. Toll! Dann zum zweiten Mal die Verneigung vor Tom Waits und einem seiner frühen Songs „Whistling Past The Graveyard.”
Den Abschluss bilden mit “If You Go Away” von Jacques Brel und Gordon Lightfoots „If You Could Read My Mind“ zwei der schönsten melancholischen Liebeslieder. Holly Cole nimmt sich beider Klassiker mit dem gebotenen Respekt an und versteht es, den Songs eine eigene Farbe zu geben. So ist man auf anspruchsvolle Weise bestens unterhalten und weiß diese große Sängerin einmal mehr dafür zu schätzen, dass sie einen so stilvoll durch die Nacht bringt.
Wunderbare Stimme, wunderbare Stimmung – edel und sexy!
hollycole.com


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Berlin lebt
Tönendes Poesialbum















