Musik - 26.06.12 -

Sensationeller Archivfund

Großer Gewinn: The Lost Tapes von CAN

Bei dieser Nachricht schlägt jedes avantgardistisch verortete Musikliebhaberherz höher und klanghungrige Krautrockohren werden mit Amboss, Hammer und Steigbügel schnalzen. Ein Schatz ist gehoben worden und wird uns am 13. Juli von Mute wohlkonserviert dargereicht als 3 CD Deluxe Box Set. Die euphorische Vorfreude gilt “The Lost Tapes” der Kölner Kultband CAN, deren experimentelle Soundarchitektur zu den einflussreichsten überhaupt zählt, die mit ihren innovativen Klangforschungen Weltgeltung erlangt hat und mit diesen bereits vorab über den Klee gelobten Fundstücken wohl endgültig zum unverzichtbaren Teil des musikalischen Kanons wird.

30 zeitweise in Archiven verschollene Tracks aus dem ambitionierten Klangkosmos der Kölner finden so nun den Weg aus der Vergessenheit ins Bewusstsein der Musikliebhaber, die an dieser Entdeckung jede Menge Freude haben werden. Die Veröffentlichung ist dann auch liebevoll aufbereitet mit ausführlichen Linernotes von Irmin Schmidt und einem Essay von Ian Harrison im 28-seitigen 10-Inch Booklet bei Mute veröffentlicht werden. Die jüngst geborgenen Bänder aus einer riesigen Sammlung enthalten tatsächlich bisher unbekannte CAN-Tracks.

Mehr als 30 Stunden Material, das seinerzeit aus verschiedensten Gründen nicht veröffentlicht worden war, hörten Schmidt und der für das Edit verantwortliche Jono Podmore durch ehe sie eine finale Auswahl der Lost Tapes trafen. Die unbeschrifteten Masterbänder waren kürzlich aufgetaucht als das Rock N Pop Museum in Gronau sich entschloss, das legendäre CAN Studio Weilerswist wieder aufzubauen. Irmin Schmidt: “Natürlich waren die Bänder nicht wirklich verloren gegangen, lagen aber schon so lange in den Schränken des Archivs, dass sie mit der Zeit einfach vergessen worden sind. Außer von Hildegard, die CAN und ihr Werk behütet, wie der Drache das Nibelungengold und Vergessen nicht zulässt.“

Hildegard sei also Dank, dass wir nun Ohrenzeuge dieser 30 Tracks werden können, die zwischen 1968-1977 in der Besetzung Holger Czukay (Bass), Michael Karoli (Gitarre), Jaki Liebezeit (Schlagzeug) und Irmin Schmidt (Keyboard) sowie mit den beiden Sängern Malcom Mooney oder Damo Suzuki auf Schloss Nörvenich und später in Weilerswist eingespielt wurden.

Tracklisting:

CD 1
Millionenspiel (1969)
Waiting For The Streetcar (1968)
Evening All Day (1972)
Deadly Doris (1968)
Graublau (1969)
When Darkness Comes (1969)
Blind Mirror Surf (1968)
Oscura Primavera (1968)
Bubble Rap (1972)

CD2
Your Friendly Neighbourhood Whore (1969)
True Story (1968)
The Agreement (1971)
Midnight Sky (1968)
Desert (1969)
Spoon – Live (1072)
Dead Pigeon Suite (1972)
Abra Cada Braxas (1973)
A Swan Is Born (1972)
The Loop (1974)

CD3
Godzilla Fragment (1975)
On The Way To Mother Sky (1970)
Midnight Men (1975)
Networks Of Foam (1975)
Messer, Scissors, Fork and Light (1971)
Barnacles (1977)
E.F.S. 108 (1976)
Private Nocturnal (1975)
Alice (1974)
Mushroom – Live (1972)
One More Saturday Night – Live (1973)

www.spoonrecords.com

mute.com



1 Kommentare zu “Großer Gewinn: The Lost Tapes von CAN”

Kim am 17. September 2012 11:56

Super Sammlung. Das nach so vielen Jahren noch soetwas Geniales auftaucht, hätte nie jemand gedacht. Ich bin begeistert. Interessant finde ich noch fogenden Artikel: http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/can-die-entdeckung-der-verlorenen-baender.html indem großzügig über das Thema der verloren Bänder geschrieben wird.

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