Musik - 24.06.12 -

Kreuzung der künstlerischen Reife

Sophie B. Hawkins • The Crossing

Wer erinnert sich nicht an Sophie B. Hawkins und ihren Hit ,Damn, I wish I was your lover‘  aus dem Jahr 1992, den jeder Radiosender und jeder Videokanal, der was auf sich hielt, bis zum Abwinken in die Welt schickte. Jener Song, der irgendwie zum Vorbereiter einer neu definierten Weiblichkeit in der Popmusik geriet und Interpretinnen wie Meredith Brooks aber vor allem Alanis Morrissette nach sich zog. Während letztere das Genre des Post-Grunge-Feminismus ihr eigen und gesellschaftsfähig machte, verschwand Mrs Hawkins, zumindest aus europäischer Sicht, relativ bald wieder aus dem kollektiven Pop-Bewusstsein. Nun ist sie nach beinah 2 Dekaden ,wieder zurück‘ mit einem neuen Album, „The Crossing“ (In-Akustik).


Natürlich war Frau Hawkins nie wirklich ,weg‘. Die gebürtige New Yorkerin verkaufte auch ihr zweites Album, ,Whaler‘ (1994) noch recht wacker – doch dann gab es Reibereien mit der Plattenfirma (Columbia/Sony), die Hawkins‘ drittes Werk ,Timbre‘ (1999) nicht in der dargebotenen Form veröffentlichen wollten. Doch die Künstlerin bestand auf ihre künstlerische Freiheit und Sony warf die Scheibe trotzig ohne jegliche Promotion auf den Markt. Das Ding sank wie Blei und Sophie B. Hawkins haftete seit dem irgendwie der Dünkel eines One-Hit Wonders an – da änderte auch die Gründung eines eigenen Labels und ein weiteres Album „Wilderness“ (2004) nicht viel dran.

 

Und nun steht sie da an der vielleicht alles entscheidenden Kreuzung ihres künstlerischen Schaffens. Mit lebenserfahrener, leicht brüchiger Stimme, in der entfernt stets ein Hauch von Janis Joplin mitschwingt, singt sich Frau Hawkins durch das komplette Repertoire einer Singer/Songwriterin: süffiger, radiotauglicher Pop-Blues (,Betchya got a cure for me‘), hymnische Balladen an die unabhängige Weiblichkeit (,Heart and soul of a woman‘, ,I don‘t need you‘), ein Spiritual in Tribalsounds gewandet (,Sinner Man‘) und ebenso ein, gemeinsam mit der Schauspielerin Mary Steenburgen, groß angelegtes Folk-Epos, ,Gone Baby‘, welches dann allerdings von den Geistern der Joplin zu eindeutig besetzt wird.

 

Doch dann sind da Songs wie ,A Child‘, ein sensibles Lied über Unschuld und Reinheit der Liebe, ,Dream Street & Chance‘ mit jazziger Bar-Atmosphäre, das verletzliche ,Red Bird‘, oder die sensible Akustikversion von ,Damn, I wish I was your lover‘, die jegliche Vergleiche mit Bonnie Raitt oder Melissa Etheridge hinwegfegen und bei denen man/frau eine ganz eigene Mrs Hawkins genießen kann.
Alles in allem bezeugt „The Crossing“ seiner Autorin und Interpretin, dass sie allemal das Zeug dazu hat, das „Handgemachte“ in der (Pop-)Musik gekonnt, kraftvoll und wohltuend in den Mittelpunkt zu stellen – jetzt eben nur nicht an der Kreuzung falsch abbiegen!

Infos: http://sophiebhawkins.com/



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