Musik - 24.06.12 -

Zwei Top-Songwriter von der grünen Insel

Irish gut! Luka Bloom und Glen Hansard

Wohl selten ist eine Mannschaft beim Ausscheiden aus einer Fußball-EM mit soviel Sympathie verabschiedet worden wie Irland, weil ihre Fans vorgelebt haben was wir uns in allen Stadien wünschen. Grenzenlose Begeisterung über jeden Sieg und jede Niederlage ohne Bengalos und Randale. Bravo! Bei diesen vorbildlichen Auftritten konnte man sich auch davon überzeugen, dass die Iren ein Volk von hingebungsvollen Sängern sind. So ist unsere heutige Empfehlung ein Dankeschön an Irland für seine Fangesänge im Besonderen und für seine wunderbare und reiche Musikkultur im Allgemeinen, hier und jetzt repräsentiert durch die beiden großartigen Songwriter Luka Bloom und Glen Hansard.

Luka Bloom ist der jüngere Bruder des bekannteren irischen Folk-Barden Christy Moore, was meiner Meinung nach dringend einer faireren Betrachtung bedarf. Denn Kevin Barry Moore wie Luka Bloom bürgerlich heißt, wird weit unter dem Wert seiner Qualitäten gehandelt und ist seinem Bruder mindestens ebenbürtig. Mir ist Bloom, der sich seinen Künstlernachnamen bei James Joyce ”Ulysses” geliehen hat und den Vornamen beim großen Hit von Suzanne Vega, erstmals 1990 mit “Riverside” aufgefallen, eine sträflich übersehenen Perle des Songwritings, die herausragende Songs wie “Delirious”, “Gone To Pablo”, “The Man is Alive” und vor allem das großartige “Recue Mission” enthält und dringend wiederentdeckt werden sollte. Auch wenn das Video mangelnde Bildqualität hat, ist es dieser famose Song allemal wert, noch einmal ins Bewusstsein gespielt zu werden.

Allein für sein ambitioniertes feinfühliges Gitarrenspiel gebührt Luka Bloom weit mehr Aufmerksamkeit. Wenn man dann noch sein superbes Songwriting entdeckt, in dem irische Seele und Intellekt eine vortreffliche Verbindung eingehen, sollte dem 57jährige Luka Bloom endlich die Beachtung vieler Liebhaber ausdrucksstarker Folkmusik finden. Vielleicht gelingt es ja mit seinem neuen, dem 13. offiziellen Studioalbum namens “This New Morning”, auf dem Luka Bloom all seine Qualitäten erneut beweist. Mit 13 melodischen Folksongs, die geprägt sind durch akustische Gitarre und Blooms markante Stimme, hier und da verfeinert um Fiddle, Ulean Pipe oder Akkordion. Das perfekt harmonierende Duett “A Seed Was Sown” mit Rita Connolly, die sensible, ambitionierte Ballade “Gaman”, die den Opfern von Fukushime gewidmet ist und das zarte Lullaby “Your Littele Wings” weisen Bloom abermals als reifen und besonderen Singer/Songwriter aus, dem ich viele viele neue Hörer wünsche, die sich dann auch seines Backkatalog annehmen.

Nicht weniger erfreulich ist das neue Soloalbum von Glen Hansard, der einigen als Sänger der irischen Folkrock-Band The Frames bekannt sein dürfte, so richtig populär aber erst 2006 mit der Musiker Love-Story “Once” bekannt wurde. Für den gemeinsam mit Markéta Irglová geschriebenen Soundtrack-Titel “Falling Slowly” gab es dann 2008 sogar einen Oscar. Die Liebesgeschichte setzte sich danach mit seiner aus Tschechien stammenden Filmpartnerin im richtigen Leben fort und zusammen nahmen sie als Band The Swell Season zwei emotionsgeladene Alben auf ehe das Paar dann doch wieder privat wie musikalisch getrennte Wege ging.

Hansard scheint diese Trennung zumindest musikalisch weit besser verkraftet zu haben als seine damalige Partnerin. Während Irglovás Songwriting auf dem Solodebüt “Anar” bis auf wenige Ausnahmen nicht so recht zu überzeugen wusste und eher mittelmäßig wirkte, ist Hansard in der Verarbeitung der Beziehung doch tatsächlich ein großer Wurf gelungen. Der Liebeskummer, das Leid und die Rückbesinnung auf das Selbst haben in ihm jedenfalls große, teil schmerzlich schöne Songs wachsen lassen, deren Tiefe berührend ist. Dabei ist es Handard gelungen, hier nicht in Schwermut und Selbstmitleid zu versinken, sondern echte Trauerarbeit zu leisten, die jeden der Songs zu einem besonderen macht. Und so sind die Stimmungen nicht nur durchgehend in Moll gefasst, sondern es gibt auch lichte Augenblicke wie etwa der schöne Uptempo-Song “Talking With The Wolves.”

Die besonderen Tracks sind trotzdem die, in denen die Gefühle Hansards Melodie werden und uns in ihrer Ehrlichkeit zu berühren vermögen wie etwa in “High Hope”, dem traurig-schönen “Bird Of Sorrow”, den letzten drei Liedern “Races”, “Philander” und “Song Of Good Hope”, die allesamt anfassen. Absolut überwältigend aber ist “What Are We Gonna Do.” Dieser Song verschlägt einem schlicht die Sprache, weil Hansard hier mit seiner verflossenen Liebe Irglová einen absoluen Gänsehautmoment heraufbeschwört, dem nicht weniger gelingt als das große emotionale Kunststück zu vollbringen, die Vorahnung des Scheiterns einer großen Liebe in ein ergreifend schönes Lied zu überführen. Schon dafür sollten Hansard allerhöchste Songwriter-Ehren zuteil werden. Dieser Song ist so berührend, dass es einen schüttelt – wunderbar!

Philander: Glen Hansard from Glen Hansard on Vimeo.

Und wie bekommt der Autor nun wieder die Kurve zu den irischen Fußballfans? Ganz einfach, in dem ich ihr Hohelied auf die Kicker diesen beiden großartigen irischen Songwritern singe in Hinsicht auf die emotionale Kraft ihrer Lieder: You’ll never beat the Irish!

www.lukabloom.com

www.glenhansardmusic.com/songofgoodhope



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