Musik - 17.06.12 -

Routinierte Häschentricks zur Zauberstunde

Scissor Sisters • Magic Hour

Während parallel zum neuen Album der Scissor Sisters, „Magic Hour“ (Polydor/Universal), neue Scheiben von Neil Young, PIL oder, ebenso wenig nachvollziehbar, der Dexys (Midnight Runners) in den Himmel gepriesen werden, scheinen die aktuellen Klänge der, gerne schrillen, Scheren-Schwestern im Presse-Echo weniger belobigt zu verhallen.

Zugegeben, es handelt sich ebenso bei „Magic Hour“ nicht gerade um ein Meisterwerk, auch wenn Jake Shears & Co. ihr Zauberstündchen mit den üblichen Tricks gekonnt abspulen.

Vielleicht ist genau aber das das dezente Manko der Platte?!

Magic Hour

Der durch Piano-Beats pulsierende Opener „Baby come home“ (im Teamwork mit John Legend geschrieben) ist schön, wurde aber schon mit ,I Don’t Feel Like Dancin’‘ um Längen brillanter vorweggenommen. ,Only the horses‘ und ,Shady Love‘ reihen sich dancefloor-tauglich nahtlos irgendwo zwischen ,Fire with fire‘ und ,Filthy/Gorgeous‘ ein und balladeske Klänge wie bei ,Secret life of letters‘  bezaubern zwar, aber sie gab es schon einen Touch beseelter bei ,Mary‘.

 

Auch wenn der Vorgänger „Night Work“ durch mehr Kohärenz (und vor allem wegen zweier absoluter Scissters-Trümpfe, namentlich ,Invisible Light‘ und ,Something like this‘) überzeugte, ist „Magic Hour“ alles in allem dann doch wiederum kein so schlechtes Pop-Album: ,Somewhere‘ besticht als perfekte Symbiose aus Pet Shop Boys und Frankie Goes To Hollywood, ,San Luis Obispo‘ klingt nach Badehose und Bacardi, ,Let‘s have a kiki‘ und ,F*** Yeah‘ hingegen mehr nach Aberzombie und Amphetaminen.

Da schauen die Scissor Sisters, in Zusammenarbeit  mit Calvin Harris, Diplo und Pharrell Williams, mal nostalgisch zurück, denn ,Self Control‘ heisst nicht nur wie der 80er Jahre Hit, sondern würde auch mit seinen Electrobeats und Synthie-Handclaps perfekt in jene Dekade passen – oder sie schielen, vermeintlich futuristisch, auf jene monotonen Black Eyed Peas Rhythmen, die es eigentlich grundsätzlich zu vermeiden gilt; nur gut, dass ,Keep your shoes‘ am Ende immerhin mehr nach Ida Corrs ,Let me think about it‘ klingt als nach ,The Time (Dirty Bit)‘.

 

Doch dann siehe da, hokus pokus, klingen die Scissor Sisters auch mal ganz wie sie selbst: ,Inevitable‘ – ein unprätentiöser Midtempo Popsong, der zeigt, dass die Band sich auch jenseits des von ihnen maßgeblich neu definierte Genres des Regenbogen-Tanzpops, mit der ihnen ganz eigenen Note profilieren können.

Alles in allem eine hübsch gemischte Tüte mit kurzweiligen, akustischen Stunts aber auch mit durchschaubaren stilistischen Häschentricks, die aber letztendlich irgendwie doch immer mal wieder gerne zum Zauberprogramm gehören.

 

Tourdaten: (ohne Gewähr!)

9.10. 2012 • Köln, Gloria Theater

12.10. 2012 • Berlin, Postbahnhof am Ostbahnhof

 

Infos, etc… http://www.scissorsisters.com/home

 

 

 

 



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