Musik - 15.06.12 -

Balladen wie ein Sonnenuntergang

Rumer • Boys Don‘t Cry

In einer Zeit da Künstler sich gerne 3-4 Jahre Zeit lassen, neue Werke zu publizieren, wollen einem die anderthalb Jahre, die Rumer brauchte, um nun ihr zweites Album, „Boys Don‘t Cry“  (Atlantic/Warner) zu präsentieren, relativ kurz erscheinen.

Vielleicht doch zu kurz für ein weiteres Werk mit eigenen Kompositionen, denn im aktuellen Fall handelt es sich ,lediglich‘ um eine Sammlung von Coverversionen aus den 70er Jahren und ausschließlich von Männern komponierten Kleinodien.

Und in der Tat, Rumer (aka Sarah Joyce) traf eine sensible Auswahl, u.a. ,Soulsville‘ von Isaac Hayes, Townes Van Zandts ,Flyin‘ Shoes‘, Bob Marleys ,Soul Rebel‘, ,Sarah Smile‘ von Hall & Oates, ,Be nice to me‘ von Todd Rundgren und von Jimmy Webb eben mal nicht ,Mac Arthur Park‘ sondern dessen Hommage an den amerikanischen Singer/Songwriter ,P.F. Sloan‘.

 

Dass Rumer wie die stimmliche Reinkarnation von Karen Carpenter klingt, dürfte allen schon seit ihrem sensationellen Debütalbum, ,Seasons Of My Soul‘ (2010) bekannt sein und rief bereits schon den Carpenters Hitlieferanten Burt Bacharach auf den Plan.  Ja ja, mit so einer Stimme kann man sprichwörtlich auch ein Telefonbuch absingen, klar ein Vorteil – doch stellt sich über die Länge eines ganzen Albums tendenziell gepflegte Konturlosigkeit ein.

Das schmälert die Interpretationen allerdings nur am Rande, denn die 12 Songs perlen schimmernd und vor allem authentisch über Rumers Stimmbänder, als wären sie irgendwann 1974 im Laurel Canyon eingesungen worden.

Fazit: Der perfekte Soundtrack für sommerlich-schwüle Abende mit kühlem Weisswein und einen Blick in den Sonnenuntergang.

 



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