Musik - 10.06.12 -

Ein G-Punkt von Debütalbum

2:54: Girls. Gitarren. Gesänge. Geil!

Eine leise Vorahnung sagt mir, dass wir das Debütalbum des Jahres erst im September mit “Blackbird” der deutschen Songwriterin Andrea Schroeder zu erwarten haben. Ganz weit vorne auf meiner Favoritenliste in dieser Kategorie der überzeugenden Neulinge ist neben Schroeder und dem exzellenten Poliça-Album “Give you The Ghost” auch die Londoner Girlband mit dem merkwürdigen Namen 2:54.

Deren gleichnamiger Erstling ist soeben erschienen und schlägt musikalisch in eine ähnliche Kerbe wie die großen Überraschungen der letzten Jahre – The XX, Warpaint, Anna Calvi.

Die kühle, düstere, klaustrophobische Klangwelt ist auch das Terrain, auf dem sich die Schwestern Hannah and Colette Thurlow bewegen. Und zwar sehr souverän. Mit ihrem dunklen sphärischem Gesang, mit den mächtigen und glasklaren Gitarrenriffs, die nach den frühen The Cure klingen und von 2:54 mit wirksamen Synthie-Sounds unterlegt werden, fesseln die Girls auf Anhieb. Die zehn Songs des Debüts sind ausnahmslos sehr gut und erzeugen eine durchgehend faszinierende Aura, die beim Hören einen regelrechten Sog entwickelt.

Post Punk, Gothic, Wave und Dream Pop kreuzen hier famos die Gitarrenhälse und sorgen für Tracks, die nachhaltig ins Ohr gehen. Bereits mit ihrer Scarlet-EP hatten 2:54 hohe Erwartungen geschürt, die die Girls jetzt vollends erfüllen. Neben dem von uns bereits Ende letzten Jahres vorgestellten Prachtabräumer “Scarlet” finden sich auch unter den anderen neun Songs mehrere Hochkaräter. Brillant der Opener “Revolving”, der einen gleich mit der geisterhaften Stimmung des gesamten Albums konfrontiert und dem mit “you’re Early” umgehend ein weiterer herausragender Song folgt, dessen dichte, transparente Gitarrenwände eine Schneise ins Gehör schlagen.

Und so geht es in einem Guss weiter. Ob der verführerische Gesang auf “Easy Undercover” oder der manische Rhythmus-Pulsschlag von “Sugar”, ob das an Cure, Chameleons, The Sound und Joy Division geschulte, tief unter die Haut gehende “Circuitry” oder das melodisch verlockende Watcher” mit seinem Sirenengesang, ob das subtil aufgebaute “Ride” oder das finale Highlight “Creeping”, dieses Debüt ist ein echter Kracher.

Mit Produzent und Mercury-Gewinner Rob Ellis (PJ Harvey, Nick Cave) und mit Mixer Alan Moulder (Smashing Pumpkins, Nine Inch Nails) haben den Thurlow-Sisters dann auch zwei ausgewiesene Klangexperten als Studio-Support zur Seite gestanden, die dieses höchst beeindruckende Album gänzlich rund gemacht haben. Einer meiner Lieblinge des Jahres – Extraklasse!

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