Musik - 08.06.12 -

Rettet den Sternstaub! (40th Anniversary Edition-CD/Vinyl-EMI)

David Bowie • The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars

Sommer 1972… irgendetwas lag in der Luft… die Beatles?… waren ,gestern‘! … kreative Orientierungslosigkeit?!… doch dann, ein Glitzern am Firmament… ist es ein Flugzeug, ein Vogel? Nein!… Marc Bolan? Nicht ganz!? … der Sternenmann Ziggy?… ja, erstmaliger Erretter einer perpetuellen, sich erneuernden wie selbst auffressenden, Popkultur folgender Dekaden… im Gepäck, das in Vinyl geschlagene Testament einer visionären Definition gefallener Popikonen, nebst deren wankelmütigen Verehrern!
„The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ war bereits David Bowies 5. Longplayer in einer bereits 8 Jahre andauernden künstlerischen Selbstsuche, die in der Erfindung eines virtuellen, musischen Heilsbringers erstmals gipfelte.

 

Angekündigt hatte sich diese Entwicklung in Bowies kreativem Schaffen bereits: thematisch auf „The Man Who Sold The World“ (1970) und stilistisch auf dem Vorgänger „Hunky Dory“ von 1971,Changes‘, ,Queen Bitch‘ aber vor allem das dramatische ,Life On Mars‘ hätten perfekt ins ,Ziggy Stardust‘-Konzept gepasst.

Dabei startet einer der Meilensteine der Rockmusik relativ verhalten. ,Five Years‘ und ,Soul Love‘ schleichen sich in eher balladesker Form ins Gehör.
Dann das erste markante Gitarrenriff von Mick ,Ronno‘ Ronson bei ,Moonage Daydream‘... „I‘m an alligator… I‘ll be a rock‘n rolling bitch for you“… Ronnos hymnisch jaulende Gitarre unterlegt mit Bowies rhythmischer Akustikgitarre, vielleicht der gelungenste Spagat zwischen Hippy-Hütte und Glamour-Dome.
Danach wird das Thema ,STAR‘ in vier Songs neu dekliniert, mal heroisch (,Starman‘), dann mitfühlend (,Lady Stardust‘), hedonistisch (,Star‘) oder fatalistisch adorierend (,Ziggy Stardust‘)… kein Wunder, konnte Bowie doch in den 60ern die Mechanismen der aufkeimenden Pop-Industrie zur Genüge studieren und bereits Anfang der 70er deren Drop-Outs im Warhol‘schen Velvet Underground Zirkus fasziniert bestaunen. Das Motto vom „15 minütigen Ruhm“ als Superstar, zerrissen von Fans oder aufgefressen von Egospielchen und Drogenkonsum, skizziert Bowie überdeutlich im großen Finale des Albums ,Rock‘n Roll Suicide‘: der einst heilsbringende Protagonist wird Opfer seiner eigenen Botschaft, in Hingabe atomisiert von seinen eigenen Jüngern und bereit, immer wieder neu geboren zu werden.

Bowie hatte mit “Ziggy” geschickt sein erstes Alter-Ego inszeniert, durch Gerüchte über Bisexualität und schrille TV-Auftritte zum Monster genährt, mit großer Geste am Ende der Aladdin Sane Tour, im July 1973, abgelegt und den Weg zum ‘Cracked Actor’ und ‘Thin White Duke’ bereitet.

Repeat… press… play… ,Five Years‘ … that‘s all we got… das war Sommer 1977… es lag wieder etwas in der Luft … und ja, da gab es ,Old Wave‘, und ,New Wave‘ und immer noch David Bowie!

 

PS: Wie oft man alle 10 Jahre Rock- und Popklassiker bis zur ,Unkenntlichkeit‘ remastern kann und sollte, ist noch nicht erwiesen… für ,Ziggy Stardust‘ galt ja bereits schon die Edition zum 30. Jubiläum von 2002 als ,Non-Plus-Ultra‘, zumindest machte uns das die EMI (sowie die angehängten Bonus Tracks) durchaus zurecht glaubhaft. Bei dieser aktuellen Neuauflage handelt es sich auf jeden Fall um eine digital überarbeitete Neuauflage.

Dennoch, nur mit einer abgespielten Vinyl-Version der 70er Jahre bietet „Ziggy Stardust“ genügend ,Sternstaub‘ in den Rillen für authentischen Hörgenuss!

 

 

 

 



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