Musik - 07.06.12 -

Liedermacher-Ikone, die Zweite

Gib mir Musik – Danke Reinhard Mey

Ein Mann, eine Gitarre, eine sanfte Stimme und Texte voller Feingefühl und Augenzwinkern, die ein Publikum zweieinhalb Stunden zu fesseln verstehen, zum Nachdenken und zum Schmunzeln bewegen. Das kann nur Reinhard Mey sein, der große Liederpoet und Menschenfreund, der Geschichtenerzähler mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, der immer ein Stück Junge gebliebene Erwachsene mit wachem Geist und wohltuender Zugewandtheit, der wie kein anderer die Komik und Tragik des Alltäglichen zu beschreiben und mitzufühlen weiß. Einer wie du und ich, nur mit der großen Gabe, uns Musik zu geben, die Seelennahrung ist, die Mut und Trost und Sinn spendet. Will sagen “Gib mir Musik” ist erschienen, das neue Album des einzigartigen Liedermachers.

145 Minuten lang lässt Reinhard Mey den Zuhörer die Zeit vergessen und alles menschliche Leid, selbst wenn es von ihm nachdrücklich thematisiert wird. Am schmerzlichsten wohl in der ergreifenden Ballade “Drachenblut” für seinen im Wachkoma liegenden Sohn Max. Und doch ist da keine Spur von Bitternis in den Gedanken und in der Stimme dieses Mannes, da klingt bei aller Traurigkeit immer der Glaube ans Gute und Schöne durch, die nie versiegende Hoffnung auf die Wende zum Besseren – was für eine positive stärkende Kraft von diesem Reinhard Mey ausgeht, der im Dezember 70 Jahre alt wird, aber mit seiner jugendlichen Lebensfreude und Präsenz gerade mal halb so alt wirkt.

Die Lieder seines letzten großartigen Albums “Mairegen” sind fast sämtlich in diesem Live-Programm vertreten und eine Reihe älterer Lieder aus seinem schier unerschöpflichen Repertoire an Liedgut, das diese wertschätzende Bezeichnung wahrlich verdient. Ob er dem Butterbrot als ehrenvollste Speise huldigt oder mit seiner großen Eisenbahnballade zu Gedankenreisen durch die Geschichte einlädt, ob er mahnt, wachsam zu sein oder zu wagen, was keiner wagt, ob er die Herzensgröße kleiner Leute verdeutlicht oder seinem Freund und Bruder im Geiste Klaus Hoffmann die Ehre und Würde erweist, ob er Männer im Baumarkt milde belächelt oder mit dem ihm eigenen Humor die Musikpolizei fordert, auf höchst amüsante Weise seine Vaterrolle reflektiert oder Freunden auf unvergleichliche Art Gute Nacht sagt.

Wir müssen uns sehr sehr glücklich schätzen, diesen großartigen Menschen (der für mich neben Hanns Dieter Hüsch und Loriot zu den bedeutenden deutschen Humanisten der Unterhaltung zählt) unter uns zu wissen, der uns auf stets liebevolle Weise durchschaut, den Spiegel vorhält und alle unsere Empfindungen trifft, weil er sie genauso kennt und spürt wie wir und weil er ein unnachahmliches Talent dafür besitzt, uns dazu zu verführen, in ihm auch uns selbst zu lieben.

Danke!

www.reinhard-mey.de



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