Musik - 30.05.12 -

Nachlese...

Eurovision Song Contest 2012

“Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf Deiner Reise, Aserbaidschan! Europa beobachtet Dich! Und hier sind die Ergebnisse der deutschen Jury…”
Dieser elegant eingeschmuggelte, regimekritische Kommentar von Anke Engelke vor der deutschen Punktevergabe, war vielleicht der einzige Moment, der den, schon nach rund 10 Länderabstimmungen absehbaren, Sieg von Loreen, mit „Euphoria“ für Schweden, kurzweilig in den Schatten stellte.

Ansonsten gestaltete sich der diesjährige ESC in Baku, trotz 26 Beiträgen, relativ kurzweilig und abwechslungsreich. Am End‘ gab es für jeden etwas: Ballermann taugliche Trash-Disco aus Griechenland, Zypern, Rumänien und der Ukraine, die sich wunderbar konterkarierten mit Powerballaden aus Estland und Ethnoanklängen aus Serbien. Diese präsentierte  Željko Joksimovic  derart überzeugend, dass er auf Platz 3 landete. Wurde er 2004 mit dem beinah noch schöneren ,Lane Moje‘ damals ,nur‘ zweiter und eher als ,Balkan-Exot‘ abgetan, scheint er dieses Mal auch die Achtung der internationalen Presse und Kritiker verdient erobert zu haben.

 

Ausnahmebeiträge wie Ott Lepplands ,Kuula‘ für Estland oder ,Suus‘ von Rona Nishliu aus Albanien überraschten positiv und wurden mit Platzierungen in der Top 10 belohnt.  Vielleicht ein Signal für zukünftig, qualitativ anspruchsvolleres ESC Song-Material? Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!

 

 

 

Hingegen erstaunlich, dass geheime Favoriten wie England oder Frankreich weit nach hinten durchgereicht wurden. Zugegeben Angguns „(Echo) You And I“ überzeugte live, trotz wehenden Organzas made by Gaultier, nicht wirklich und Engelberts anrührende Liebesballade „Love will set you free“ war wohl als Startnummer eins nicht die rechte Auftaktskost für einen langen Abend. Oder gelten Alter und künstlerische Reife nur in eher clowneskem Kontext, wie uns der russische Beitrag zeigen sollte?!

 

 

 

 

Dass der Gimmick der russisch-udmurtischen Babuschkys sich abnutzen würde, war beinah absehbar, und dass die betagten Damen ausgerechnet im Finale gesanglich patzten, lies sie dann doch nur auf dem zweiten Platz landen – für die Kollekte ihrer Dorfkirche sollte dies aber keine Schmälerung bedeuten – und sogar Präseident Putin hat einen zeitnahen Besuch in der Uralgemeinde angekündigt.

 

 

Loreens Triumphmarsch durch die Punktwertungen (nur an den Italienern ging der Song punktlos vorbei, sic!) machte die beinah nicht enden wollende Stimmabgabe etwas zäh, denn bereits vor den letzten 10  Votings war Schweden der Sieg eh nicht mehr streitig zu machen. Ihre angenehm entspanntere zweite Darbietung des Siegertitels versöhnte sicherlich auch den letzten Zweifler, dass durchaus der richtige Song gewonnen hatte.

Und so zieht die ESC-Karawane denn 2013 weiter, ob nun nach Stockholm, Malmö oder Uppsala, letztlich egal – eins ist jedenfalls sicher, ,politisch unkorrekte‘ Ablenkungen wird es garantiert keine geben, und die ESC-Gemeinde kann sich wieder entspannt auf einem neuen Grand-Prix-Karussell sorglos vergnügen.
C.U.There!?

 

 

Weitere Infos zu den Teilnehmern und Ergebnissen: http://www.eurovision.de/teilnehmer/teilnehmer117.html



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