Musik - 18.05.12 -

The Disco Queen‘s Last Dance

Donna Summer (1948 – 2012)

1977 ist bis heute ein unterhaltungs-musikalisch in vielerlei Hinsicht entscheidendes Jahr: Elvis Presley und Marc Bolan verließen die Popbühne, Fleetwood Mac veröffentlichten das konsensträchtige Album „Rumours“ und während in London der ,Summer Of Punk‘ explodierte, erschien gleichzeitig Donna Summer‘s ,I Feel Love‘ aus dem Album „I Remember Yesterday“. Ihr bereits fünftes Album (in nur 3 Jahren!), auf dem Donna Summer unterschiedlichste Musikstile vergangener Jahrzehnte besang und eben mit ,I Feel Love‘ eine Art ,Zukunftsvison‘ der Popmusik präsentierte.
Und bis heute wird eben genau dieser Song (von Brian Eno bis Inga Humpe) als einer der wegweisenden Produktionen für Elektro- und Technopop betrachtet.
Das seit 1973 eingespielte Team um den Elektro-Pionier Giorgio Moroder und Produzent Pete Bellotte hatte schon ein Jahr zuvor mit ,Love To Love You Baby‘ einem, auf Wunsch von Casablanca Records Labelchef Neil Bogart, auf über 16 Minuten und (angeblich) 23 Orgasmen ausgedehnten Disco-Schleicher von sich Reden gemacht.
Dabei hatte die in Bosten gebürtige LaDonna Adrian Gaines einst im Gospelchor begonnen, war dann bereits Ende der 60er Jahre nach Deutschland übergesiedelt und machte durch ihre Rolle als ,Donna‘ im Musical „HAIR“ mit ihrer stimmgewaltigen Interpretation von ,Aquarius‘ auf sich aufmerksam. Dort im Ensemble lernte sie auch ihren späteren Ehemann Helmut Sommer kennen und lieben. Ihr daraus resultierender Künstlername sollte für immer zum Markenzeichen für Disco-Pop der späten 70er und frühen 80er Jahre werden – maßgeblich in den Schwulen-Discos rund um die Welt.
Wer erinnert sich nicht an Tanzflächenfüller wie ,Could it be magic‘, ,Down Deep Inside‘, Love‘s Unkind‘, ,Last Dance‘, ,Hot Stuff‘, ,Bad Girls‘, ,On The Radio‘, das Diven Duett mit Barbra Streisand ‘No More Tears (Enough Is Enough)‘ oder die Über-Coverversion des Jimmy Webb Klassikers ,Mac Arthur Park‘. (Die fast hauptsächlich in München produzierten Hits waren erstaunlicherweise oft in den USA erfolgreicher als im heimischen Deutschland.)
Doch Donna Summer war langfristig mit dem Image der ,Disco Queen‘ nicht wirklich zufrieden, wechselte Anfang der 80er Plattenfirma und Produzententeam, konvertierte zu den Born-Again-Christians und streute parallel Unmut in der von AIDS verunsicherten Gayszene, mit kursierenden, negativen und abwertenden Kommentaren über Schwule. Erst als sie öffentlich dementierte und sich immer wieder gegen AIDS mit Benefiz-Auftritten engagierte glätteten sich die Wogen – allerdings auch über Donnas Karriere. Zwar nahm sie noch bis Anfang der 90er Jahre konsequent Platten auf, doch Chart-Hits blieben aus, selbst bei der Zusammenarbeit mit Stock, Aitken & Waterman, 1989.
Nach diversen ,Best Of-Compilations‘ und ihrer durchaus gerechtfertigten Verewigung in der ,Rock‘n Roll Hall Of Fame‘ im Jahr 2004, machte Donna Summer 2008 mit einem durchweg zeitgemäßen und guten, neuen Album „Crayons“ ebenso noch einmal von sich reden, wie 2010 mit ihrem (mit Bruce Springsteen zusammen geschriebenen) Dancefloor-Hit ,To Paris With Love‘, den sie Louis Vitton widmete.
Trotz ihrer (seit Jahren) geheimgehaltenen Krebserkrankung, hatte sie noch letztes Jahr mit den Aufnahmen zu einem neuen Album begonnen.
Gestern nun verstummte eine der ganz großen, natürlichen Stimmen der Soul- und Popgeschichte für immer. Doch ihr musikalisches Erbe war, dank Giorgio Moroder, von Anbeginn visionär und zeitlos und wird daher auch in Zukunft noch auf so mancher Party frisch und zeitgemäß erklingen.
*Rest in peace, Donna and may you feel love in heaven*



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