Musik - 13.05.12 -

Punk-Ikone rebelliert gegen Labels

Iggy Pop’s kleine französische Revolution

Von Legende zu Legende. War es eben noch der alte Country-Knochen Neil Young, den wir würdigten, ist es jetzt unser allerliebster Hungerhaken des Rock and Roll Iggy Pop, seines Zeichens Ikone der Punk-Rebellion. Und von diesem revolutionären Geist hat Iggy auch im 65. Lebensjahr (für seine exzessiv-verschwenderische Lebensweise ein geradezu biblisches Alter) nichts eingebüßt. So zeigt er mit seinem neuen Album “Après” auch gleich all seinen bisherigen Labels den Stinkefinger.

Der Grund für Iggys heftigen Zorn. Sein Label Virgin EMI hatte das Album mit Coverversionen von englisch- wie französischsprachigen Pop-Songs abgelehnt und die Veröffentlichung verweigert. Offenbar, weil man von Seiten des Labels einen kommerziellen Misserfolg befürchtete und von Pop keinen Pop, sondern lieber ein Rock-Album in Begleitung junger Punkmusiker haben wollte. Aber dafür wollte wiederum Iggy sich nicht zum Affen machen und verweigerte seinerseits, die Rolle des “Daddy” zu übernehmen und entschloss sich darum zu einem ungewöhnlichen Weg.

Er nahm die Songs, darunter Interpretationen von Serge Gainsbourg, Edith Piaf, Joe Dassin, George Brassens, den Beatles und Frank Sinatra im Alleingang auf und fand dafür auch einen überraschenden Vertriebsweg. “Après” ist nun einzig im digitalen Format erhältlich und kann über seine eigene Homepage und klassische Digitalanbieter wie Amazon und itunes u.a. auch über die französische Marken-Webseite “Vente Privée” für nur 7 Euro downgeloaded werden, wo man Iggys Songs in ungewohnter Gesellschaft von Hemden, Hosen, Schuhen und Dessous findet. Na, wenn das mal kein Protest ist.

Iggys Erklärung für diese extraodinäre Vermarktungsstrategie folgt auf dem Fuße. Auf Reporterfragen dazu fragt er zurück, was denn je eine Plattenfirma für ihn getan habe als ihn zu gängeln, zu nötigen und zu erniedrigen. Er habe immer nur für ihn sehr harte, raue Umgangsweisen bei Labels erlebt und sei am Ende von noch jedem rausgeschmissen worden. Dann fügt er hinzu, dass ihm gerade die französischen Songs ein besonderes Anliegen seien, weil sie für ihn eine Art musikalischer Resistance darstellen, die allen Angriffe der amerikanischen Musikkultur tapfer standgehalten haben.

Dieses Erbe seinen Fans zu präsentieren hat er bereits mit dem 2009er Album “Préliminaires” begonnen, bei dem Iggy Pop durch Michel Houellebecqs großartigen Roman “Die Möglichkeit einer Insel” inspiriert wurde und erstmals den Chansonnier gab, u.a. mit dem französischen Expressionismus-Klassiker “Les Feuilles Mortes.” Ein echtes Anliegen also, dass uns den alten Haudegen nur umso glaubwürdiger und lieber macht.

Was sagen wir zu soviel Rückgrat, Integrität und und würdevollem Revoluzzergeist? Respekt Iggy, Respekt!

Die Trackliste von “Après”:

“Et Si Tu N’Existais Pas” (Joe Dassin)
“La Javanaise” (Serge Gainsbourg)
“Everybody’s Talkin’” (Harry Nilsson)
“I’m Going Away Smiling” (Yoko Ono)
“La Vie En Rose” (Edith Piaf)
“Les Passantes” (Georges Brassens)
“Syracuse” (Henri Salvador)
“What Is This Thing Called Love?” (Cole Porter)
“Michelle” (The Beatles)
“Only the Lonely” (Frank Sinatra)

www.iggypop.com

www.vente-privee.com



1 Kommentare zu “Iggy Pop’s kleine französische Revolution”

Mayo Velvo am 14. Mai 2012 13:45

… auch wenn The Igs Stimmumfang auf charmante Art kaum den Umfang eines Sinus-Dauertons überschreitet, klingt die Scheibe sehr kuschelig. Smoothes Alterswerk… me likee! :))

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