Musik - 29.04.12 -

Das Comeback des Jahres

Zeitlose Schönheit in Zeitlupe: The Soul Of Spain

Nur wenige Takte und es besteht Gewissheit: Spain sind die die Alten. Auf Anhieb stellt sich wieder dieses wunderbar entschleunigte Gefühl ein, das diese Slow Core Band beherrscht wie nur wenige. Unmittelbar wird mir mit diesen ersten Akkorden bewusst, wie sehr ich diesen ganz eigenen Klang der wohltuenden Langsamkeit von Spain vermisst habe, deren erste drei Alben zu meinen ewigen Emo-Favoriten zählen. Das nun bei Glitterhouse Records (Danke!) erschienene vierte Opus “The Soul Of Spain” ist ein Geschenk, das den Geist der Entschleunigung in sich trägt wie zuletzt die exzellenten Alben von den Tindersticks und Lambchop.

Josh Haden und seine mit Daniel Brummel, Randy Kirk und Matt Mayhall runderneuerte Band treffen mit zum Sterben schönen Melodien mitten in die Seele, wie es der Albumtitel verspricht. Wie gesagt, hauen einen bereits die ersten Takte um. “Only One” ist von der erhabenen Schönheit, die bereits die Vorgängeralben zu Meisterwerken machten. “Without A Sound” führt im bekannt getragenen Rhythmus das wohlige Gefühl fort, das in “Because Your Love” erstmals eine überraschend massive Ausprägung erfährt. Aber auch uptempo bleiben Spain sich ihrem Stil treu. Mögen die Gitarren auch treibender sein, das Grundgefühl ändert sich nicht im Geringsten, gibt dem Ganzen nur eine selbstbewusstere Note.

“I’m Still Free” ist gänzlich dem markanten, schleppenden Takt und einer umwerfend schönen Melodie verhaftet, die Spain zu einer ganz großen Band macht. “I Love You” fällt in den stillstandgleichen Modus der Emotion, die ausgleichend wirkt wie sonst nichts. “All I Can Give” legt in ähnlicher Gemütslage nach, um als Vorbereiter für ein weiteres Songhighlight zu fungieren. In “Walker On The Street” übt sich Haden textlich im Übers-Wasser-Gehen. Ja, der Mann hat wahrlich messianische Züge. Davon zeugt auch der Harmonie-Hammer “Sevenfold”.

Auf die abermaligen unnötigen E-Gitarren-Muskelspielereien von “Miracle Man” hätte ich durchaus verzichten können, aber gleich bin ich wieder versöhnt und gebe mich dem ergreifenden Gefühl von “Falling” hin. Das ist das ureigene Terrain von Haden, diese in Mark und Bein fahrenden Balladen, die wie ultrasofte Hiebe zur Kinnlade wirken, da ist man sofort K.O. und verspürt keinerlei Lust, bei 9 wieder aufzustehen. Und darum bleibe ich auch beim abschließenden “Hang Your Head Down Low” gerne am Boden, bis ich völlig ausgezählt bin und mich dieser umwerfenden Schwäche für Spain erfreue.

Und was für eine musikalische Familie diese Hadens sind. Bandleader Josh, Sohn des genialen Jazz-Bassisten Charlie Haden, lässt auf dem ersten Longplayer von Spain seit dem letzten Lebenszeichen vor 11 Jahren mit Petra, Rachel und Tanya Hayden seine ebenfalls hoch talentierten Schwestern am äußerst wohltuenden Klanggebilde mitwirken, dass wie in Töne geschmolzener Balsam erscheint.

Was für eine glorreiche Rückkehr mit Nichts als Wohlklang!

Seelenverwandschaften: Tindersticks, Low, Codeine, Dakota Suite, Mark Kozelek, Sun Kill Moon, Red House Painters, Lambchop, White Birch, Savoy Grand

www.spaintheband.com



1 Kommentare zu “Zeitlose Schönheit in Zeitlupe: The Soul Of Spain”

Mayo Velvo am 30. April 2012 01:35

… ja, in der Tat, wunderschön!

Kommentar schreiben