Musik - 29.04.12 -

Kölner Klänge mit textlichem Tiefgang

Eine schöne Wolke am deutschen Pophimmel

Bei zoolamar werfen wir als Rheinländer gerne öfter mal den Blick in die Köln-Düsseldorfer Region, um Euch über Musikacts zu informieren, die es wert sind entdeckt oder wiederentdeckt zu werden. Wie zuletzt Stabil Elite aus Düsseldorf, die gerade landauf landab reichlich Lorbeeren für ihr Debütalbum “Douze Pouze” einsammeln. Heute geht es auf die andere Rheinseite in die Domstadt, wo wir eine Wolke am Pophimmel heranziehen sehen, die mit ihrem Versprechen “Für immer” herzlich begrüßen und der wir gute Chancen auf breites Gehör attestieren.

Das mittlerweile vierte, bei Tapete Records erschienene Album der Kölner Band hat jedenfalls das Zeug für vordere Charts-Positionen. Aufs Wesentliche reduzierte melodiöse Popsongs sind das, die mit ihrer Nähe zum Chanson auf viel Gegenliebe treffen sollten. Schon der schönen Texte wegen, für die Sänger Oliver Minck verantwortlich zeichnet. Zusammen mit Benedikt Filleböck gelingt ihm das Kunststück, Leichtigkeit mit Tiefe und Eingängigkeit mit Eigenständigkeit zu verbinden. Gleich mit dem Opener “Denkst Du Manchmal Noch an Mich” sprechen Wolke sicher vielen Liebesleidenden aus dem verwundeten Herzen.

Ganz exzellent ist das verträumte “Süchtig”, das die Liebe zur einzig wahren Droge erhebt und neben seiner romantischen Melodie mit einem feinsinnigen Text überzeugt. Das Titellied beschreibt vortrefflich das Gefühl des Hin- und Hergerissenseins zwischen Willkommen und Abschied, der Sehnsucht nach Entdeckung einerseits und Verwurzelung andererseits – ein Lebensgefühl, mit dem viele zu kämpfen haben, die stets die Furcht drängt, etwas zu versäumen. Oliver Minck gibt dieser inneren Unruhe eine beruhigende Stimme. Ein potenzieller Hit wie ich meine.

Mit inneren Zerrissenheiten scheint sich Minck ohnehin gut auszukennen. “Für Immer” ist durchzogen von seelischen Ambivalenzen, die der Sänger in seinen Lyrics sehr gekonnt einfängt. Die Stärke von Wolke liegt genau hier in der ausgewogenen Balance von akzentuierter Musik und pointierten Texten. Wo sich andere deutsche Bands wie Rosenstolz immer wieder in verbalen Belanglosigkeiten und banaleren Schlagergefühlswelten verlieren, gelingen Wolke nachvollziehbare Betrachtungen und Emotionalisierungen, die besonders in den gelungenen Balladen zum Tragen kommen, mit denen Mink und Filleböck zu punkten verstehen. In ihrer positiven, leicht melancholischen Grundstimmung haben sie dabei einiges mit den (noch) erfolgreicheren Kölner Kollegen Klee gemeinsam, in der musikalischen und textlichen Ausrichtung erinnern mich Wolke an das ebenfalls männliche Duo Maria Perzil, dem Ende der 1990er Jahre mit “Sepia” ein ähnlich gutes Werk gelang.

Fabelhaft die kleine Hymne “Ich Tu Nur So”, die sanft mit Klavier und Mincks Gesang beginnt, dann mit melancholischer Western-Mundharmonika in die Tränendrüse drückt und schließlich mit opulenter orchesterhafter Klanggeste verhallt. Die Textzeile “…Ich bin kein Sänger ich tu nur so…” allein ist schon den Song wert. Ein ähnliches Kleinod ist “Am Leben”, das mit seiner Traurigkeit schmerzlich berührt. Wie hier Klavier, Stimme und Melodica den Rahmen für die Emotion schaffen, nötigt jeden Respekt ab.

Fast resigniert klingt das sehnsüchtige “Heut Nacht”, das sich einer ähnlich trüben Seelenlage hingibt, dann aber doch mit dem einsetzenden Rhythmus einen positiveren Blick bekommt. Fast ein Schunkelhit ist dagegen “Brüder und Schwestern”, das die mittlerweile etwas gedrückte Stimmung auflockert ehe mit dem abschließenden “Die Hoffnung” einzieht, die Liebeszweifel besiegt und Trost und Zuversicht für die Zukunft schenkt. Ich denke, so rosig sollte auch die Zukunft der Band sein, der mit “Für Immer” ein sehr homogenes Album gelungen ist.

Übrigens: Mit den erwähnten Kölner Kollegen von Klee sind Wolke ab 11. Mai auf Akustiktour:

11.05. Kampnagel, Hamburg
12.05. Alter Gasometer, Zwickau
13.05. Heimathafen, Berlin
16.05. Zakk, Düsseldorf
17.05. Ampere, München
18.05. Kulturkirche, Köln
19.05. Kulturkirche St.Peter, Frankfurt

Und auch solo gibt es einige Akustik-Termine:

24.05. Ulenspiegel, Gießen
27.05. Astra Stube, Hamburg
01.06. Thalia Kino, Dresden
02.06. Moritzbastei, Leipzig
03.06. Crystal, Berlin

www.wolke-koeln.de

www.myspace.com/weginsnichts

www.tapeterecords.de/artists/wolke



1 Kommentare zu “Eine schöne Wolke am deutschen Pophimmel”

Mayo Velvo am 29. April 2012 11:38

… ja, in der Tat, “nett”… was aber Deutsch-Pop mit ‘ungewöhnlichem Gesangsvermögen’ betrifft, haben Element Of Crime und Erdmöbel die Messlatte bereits vor langer Zeit hoch angelegt. Leider kränkelt deutsches Popschaffen meist am verkrampften Bemühen so “echt” und so “ehrlich” zu klingen… das kann sich, wer will, aber auch jeder selber geben: morgens um 5h vor dem Badezimmerspiegel!
Wo bitte sind die deutschen Bands, die mal Glamour, Stil, Melodien und guten Gesang verbreiten?!
Muss man denn heute alles selber machen!
;)))

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