Musik - 23.04.12 -

Die Erweiterung der Klangzone

Rufus Wainwright • Out Of The Game

Mit Produzent Mark Ronson an seiner Seite serviert uns Rufus Wainwright nun angeblich sein ,poppigstes‘ Album, „Out Of the Game“.
Ein Promotionhype des eher durch Klassik-Veröffentlichungen bekannten DECCA-Labels oder eine Frage der Definition ,Pop‘? Wer ,Pop‘ lediglich als ,radiotauglich‘ oder ,4 to the floor‘ versteht, dem sei vorab gesagt: Achtung, falsche Platte – oder, hier wird es spannend!
Denn Rufus Wainwright definiert schon seit seinem ersten Album 1998 den Begriff ,Pop‘ für sich ganz eigen – und genau dafür lieben ihn seine Fans. Und diese bekommen auch DEN Rufus, den sie kennen: gerne mit getragenen Midtempo-Songs, unter deren lang gezogenen Melodiebögen sich schichtweise immer wieder neue Klanghorizonte entfalten, denen Rufus aber schelmenhaft kompositorisch immer wieder gerne nach links und rechts entfleucht (,Rashida‘). Dann jene Lieder, die mit Musical-Charakter ebenso oppulent wie vielschichtig daherkommen (,Welcome to the ball‘).  Aber vor allem sind es diese kleinen, mit Pianokaskaden verzierten, Dramaschachteln à la ,Montauk‘, für die man Mr Wainwright jr. taktweise einen Preis verleihen möchte.

Den Kennern klingt das vertraut, denn immerhin hat Rufus Wainwright bereits mit den Alben „Want 1 & 2“ (2003/4) quasi seine Meisterwerke abgeliefert und in vollem Umfang sein ganz persönliches Genre definiert.
„Out Of The Game“ ist da nur die Erweiterung der Klangzone. Ob ,Bitter Tears‘, was mit seinem pulsierendem Rhythmus und seinem auf Achtelnoten getupften Gesang gar nicht so ,bitter‘ erscheinen will oder ,Sometimes you need‘, welches wie eine Fleetwood Mac Ballade beginnt (an der Gitarre Sean Lennon!) und allmählich, einem UFO gleich, zu orchestral mit Oboen benetzten Klängen davon zu schweben scheint, bevor Rufus es einfach mit einem schläfrig-simplen Schlussakkord wieder zu Boden holt.

 

Rufus Wainwright „malt“ förmlich mit seiner Musik. Kein Wunder, wuchs er doch in einer musikalischen Großfamilie auf, komponierte bereits 2008 seine erste Oper („Prima Donna“) und schrieb ein Requiem für seine 2010 verstorbene Mutter, Kate Mac Garrigle („All Days Are Nights“)
Auch auf „Out Of The Game“ mangelt es nicht an persönlichen Bezügen. Lieder für seinen Ehemann (,Song Of You‘), deren gemeinsamen Tochter Viva (,Montauk‘) und Freunde (,Barbara‘), fehlen ebenso wenig wie erneut eine Hommage an seine verstorbene Mutter mit ,Candles‘. Diese kammermusikalische Cousine von ,Mull Of Kintyre‘ beendet episch das Album und entschwebt mit Dudelsackklängen in die Auslaufrille der Platte.
Als Zuhörer bleibt man hypnotisiert zurück und setzt beinah unwillkürlich zum wiederholten Hörvergnügen an, das scheinbar immer wieder neue Perspektiven des Albums zu offerieren scheint.

 

Mark Ronson bleibt als Produzent respektvoll zurückhaltend, lässt Rufus Wainwright weitgehend unberührt und rückt vor allem dessen alles tragende Stimme in den Vordergrund.
Popmusik der ganz besonderen Qualität, die, in Zeiten von Charts orientierten Fastfood-Sounds, wahrlich ihresgleichen sucht.

http://www.rufuswainwright.com/news/

http://www.zoolamar.com/2012/04/04/rufus-wainwright-%E2%80%A2-out-of-the-game-video/



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