Musik - 16.04.12 -

Großartiges Debüt der Hamburger Liedermacherin

Die berührende Poesie der Meike Schrader

“…So gehen wir voran und glauben fest daran, dass unserer Liebe jetzt nichts mehr passieren kann/Und wir bleiben immer öfter stehen denn im Gehen lässt es sich nicht gut in die Augen sehen…” Seit Wochen gehen mir diese Liedzeilen von Meike Schrader nicht mehr aus dem Sinn. Wohl weil die Hamburger Liedermacherin mit der beeindruckenden Stimmigkeit von Poesie und Melodie zum Titellied ihres Albums “Das Grün In Deinen Augen” Kopf und Herz gleichermaßen nachhaltig trifft.

Das Debüt von Meike Schrader ist von Anfang bis Ende von solch schönen reflektieren Texten durchzogen, die von Lebensreife der jungen Songschreiberin zeugen. Neben der lyrischen Stärke versteht es Meike Schrader zudem, ihre Gedanken mit eingängiger und dabei eigenständiger Musik im Spektrum von Pop, Chanson und Jazz zu begleiten, basierend auf dem von ihr selbst gespielten Hauptinstrument Klavier. So gelingen der Mittdreißigerin berührende Lieder mit aufrechtem Gefühl und im aufrechten Gang, in denen die Facetten der Liebe bzw. Betrachtungen über Beziehungen im Blickpunkt stehen. Lieder, die reif, souverän und wahrhaftig wirken ohne jedes Pathos oder unangemessene Sentimentalität. Da zeigt sich eine Art Seelenverwandtschaft zur Kleingeldprinzessin, der hoch geschätzten Berlinerin Dota Kehr, die mit ihren Stadtpiraten ja zu den erklärten Lieblingen des Ohrtrommlers zählt.

Unaufdringlich und unverkünstelt, dabei sehr souverän teilt Meike Schrader uns ihre Gedankengänge mit und lädt uns in ihre Gefühlswelten ein, für die sie mit ihrer warmen Altstimme über das perfekte Vermittlungsinstrument verfügt. Die leise Ironie in “Sicherhalt” beschreibt sehr treffend wie sehr sich die Gegensätze von Emotion und Vernunft im Wege stehen können, wenn es gilt den Sprung in die Liebe ohne Netz und doppelten Boden zu wagen. Weil sich die Freiheit und das Abenteuer Liebe einerseits und das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle doch im Wege stehen. Scharf skizzierend und aufs Wesentliche reduzierend plädiert Schrader für den Sprung ins Ungewisse.

Auch “Im Ring” macht sich die Hamburgerin gut und nutzt die Metapher des Boxens gekonnt als Sinnbild für Beziehungskämpfe. Ganz hinreißend das Liebeslied “Utopia”, das einen gleich mit den ersten Akkorden in den Arm nimmt. E-Piano, Bass und Drums erzeugen eine vertraute Stimmung, die die romantischen Gefühlen der Lyrics tragen ohne jeden Hauch von Kitsch. Einfach nur schön. Der mit Klezmer-Flair ausgestattete Walzer “Ach bitte” ist eine kluge Betrachtung über die individuelle Suche nach dem Glück und die schlichte Wahrheit, dass dies auch immer ein Stück weit egoistisch gefärbt ist.

“Ein neuer Tag” zeigt Meike Schrader abermals als feinsinnige Poetin, die sich hier zu akzentuierten, fast spieluhrenartig arrangierten Pianoklängen zart und verletzlich zeigt. So lernen wir nach und nach die verschiedenen Facetten der Künstlerin kennen, die es blendend versteht, den Zuhörer zu umgarnen und an ihre Texte und ihre Stimme zu binden. Perfekt auch, wie sie im “Kaffeehaussong” musikalisch die Atmosphäre des Raumes trifft und emotional eine nachvollziehbare Situation, wie sie wahrscheinlich viele vermeintliche Freundinnen kennen. Wenn eine ständig nur ums eigene Scheitern der Liebe kreist, immer wieder die gleichen Beziehungsfehler begeht und die andere sich nurmehr als Zuhörerin und Schuttabladeplatz missbraucht fühlt und darum letztlich resignierend verstummt. Wer so etwas – wie unlängst in einer Rezension geschehen – als “Frauenmusik” bespöttelt, verkennt den Wert von Schraders Liedgut über das Moment des Weiblichen hinaus doch sehr und charakterisiert die Musik völlig unzutreffend.

Als eine der schönsten Liebeserklärungen, die der Hansestadt seit Hans Albers und Udo Lindenberg je gemacht worden sind, darf “Hamburg, mein Hafen” gelten. Dieses Lied klingt wie ein morgenfrischer Gruß, der in einem tief seufzenden Atemzug die gesamte Aura der Stadt liebevoll ein- und sehnsuchtsvoll wieder ausatmet. In einen melodiösen Uptempo-Song mit feinen Bläsern gepackt, dürfte hier jedem Hamburger das Herz weit auf gehen. Eine höchst gelungene Hommage an die eigene Herkunft. Zu markanten Jazz-Klängen stellt Schrader im “Wiegenlied” eine Betrachtung über den täglichen inneren Kampf mit Selbstzweifeln an.

Das oft schwierige Hin und Her der Gefühle beschreibt das sanfte “Halt mich”. Der erwähnte Titelsong “Das Grün In Deinen Augen” ist eines der schönsten Liebeslieder deutscher Zunge, die mir seit langem zu Gehör gekommen sind. Wunderbar temperiert, tief, warmherzig – ein Lied für die Ewigkeit. Und auf Augenhöhe mit diesem großartigen Song bewegt sich auch das abschließende poetische “Die Geister, die ich rief”, das dieses schöne Album perfekt abrundet.

Meike Schrader ist eines der besten deutschsprachigen Debüts der letzten Jahre gelungen. Es sollte viel und oft gehört und weiterempfohlen werden. Auch live auf ihrer derzeitigen Tour, deren Termine ihr auf der Webseite der Musikerin findet. Großes Kompliment! Tiefe Verbeugung!

www.meikeschrader.de

www.myspace.com/meikeschrader



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