Musik - 15.04.12 -

Heilige Musikmesse in Holland

Halleluja! Wovenhand Live at Roepaen

Eigentlich wäre der Erscheinungstermin von Wovenhands ”Live At Roepaen” an Ostern perfekt gewesen, denn hier erzählt einer seiner Gemeinde von den Kreuzwegen und Leidensgeschichten des Lebens. Aber der heilige Geist des David Eugene Edwards (DEE) kann gerne auch in der Zeit vor Pfingsten und überhaupt das ganze Jahr über uns kommen. Soviel Läuterung haben wir Sünder uns verdient.

Entstanden ist das famose Live-Album in der Vorweihnachtszeit 2010, genau gesagt am 14. Dezember in einer alten Klosterkirche im niederländischen Ottersum. Genau der richtige Ort also für den Predigersohn DEE, um der Gefolgschaft zahlreicher treuer Jünger mit seinen unvergleichlichen Song-Litaneien eine heilige Musikmesse und die Leviten zu lesen. Mit Langzeitgefährte Pascal Humbert (b, git), der sich mittlerweile ganz seiner eigenen, ebenfalls großartigen Band Lilium widmet, mit Gary “Ordy” Garrison (dr), Jeff Linsenmaier (p, keys) und special guest Loukas Metaxas (perc) zelebriert Edwards das Wovenhand-Credo maximaler Intensität.

Es ist wohl das besondere Zusammentreffen seiner religiösen Sozialisation in der Nazarener-Gemeinde sowie als Enkel eines Wanderpredigers und die außergewöhnliche Begabung diesen zutiefst moralistischen Gefühlswelten in flammenden Songgebeten Ausdruck zu verleihen, die die Einzigartigkeit seiner Musik ausmachen. Kein anderer Musiker versteht es darum so gekonnt, die Konzerthalle zur Kanzel umzufunktionieren. Edwards nutzt die Vertonung unheilvoller Erfahrungen aus der Kindheit als kathartische Kraft der Selbstheilung.

So entsteht der unwiderstehliche Sog, den DEE seit 20 Jahren erzeugt und verbreitet, zunächst mit der Vorgängerband 16 Horsepower und seit 2001 mit dem seinerzeit als Nebenprojekt gedachten Projekt Wovenhand (damals noch Woven Hand). Schamanenhafte Musikmagie, die immer wieder fesselt und elektrisiert, gerade auch live. Bei diesem vom WDR Rockpalast aufgezeichneten Gig gehen dann auch intensive Atmosphäre und erhabenes Ambiente eine kongeniale Verbindung ein, die sich zum Glück nicht nur akustisch verfolgen lässt.

Glitterhouse hat das Album als CD/DVD-Doppelpack veröffentlicht, das auch einen visuellen Eindruck des Gigs und seiner Besonderheit vermittelt. Acht Kameras fangen Konzert, Raum und Besucher auf eine Weise ein, die die klangliche Dichte, die architektonische Aura und die Ergriffenheit der Fans perfekt einzufangen versteht und damit zu einem wahren Konzertdokument macht. Und das belegt eindrucksvoll, dass es – eskortiert von seinen exzellenten Mitstreitern – keinen besseren Prediger unter Gottes Sonne gibt als diesen charismatischen und zugleich sehr sympathischen David Eugene Edwards.

Wer sich dessen auch auf anderem Wege vergewissern möchte, sollte sich im Netz die sehr gelungene Dokumentation “The Preacher” ansehen, die einem DEE hautnah näher bringt. “Live At Roepaen” jedenfalls darf in keiner anspruchsvollen Musikliebhaber-Sammlung. Ein Ereignis! Ein Fest! Eine Andacht!

Die Tracklist:

1 Hutterite Mile
2 Swedish Purse
3 Speaking Hands
4 Sinking Hands
5 His Rest
6 Flutter
7 Horse Head Fiddle
8 Orchad Gate
9 Kingdom Of Ice
10 Singing Grass
11 Deerskin Roll
12 Raise Her Hands
13 Whistling Girl
14 Off The Cuff

www.wovenhand.com



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