Netzpolitik - 09.04.12 -

Lyrische Einlassung zum Urheberrechtsstreit

Thomas Schubert – Abgesang 2.0

Sven Regeners emotionalem Ausbruch sei Dank, rückt die bisher eher verdeckt geführte, für die Kultur unserer Gesellschaft aber elementare Debatte über das Recht der Urheber von geistigem Eigentum nun zunehmend in den Vordergrund. Endlich beginnen die Kulturschaffenden des Landes sich zu sammeln und sogar zur Solidar-Gemeinschaft zu versammeln, ihre Stimmen und ihre Intelligenz gegen die Dummheit und Ignoranz all derer zu erheben, die keine größere Geistesleistung zustande bekommen als über die Länge von 140 Zeichen aneinander vorbei zu kommunizieren.

Dass solch gehaltloses unreflektiertes Vogelgezwitscher keinen kulturellen geschweige denn monetären Cent wert ist, dürfte selbst Piraten und Grünen klar sein. Wie es sich aber mit all dem werthaltigen Kulturgut verhält, an das viele Menschen ihre ganze Existenz und Leidenschaft hingeben, rechtfertigt jeden Widerstand und alle kämpferische Kraft, sich gegen die Gratis-Konsum-Mentalität der Generation 2.0 zur Wehr zu setzen. Denn dabei geht es nicht nur um das, was Menschen für ihr geistiges Produkt zurecht verdienen, sondern um exakt die von Regener aufgeworfene Frage, was eine Gesellschaft wert ist, die den Wert der durch die Künstler hervorgebrachten Kultur nicht zu schätzen weiß.

Eine lyrische Einlassung dazu von zoolamar-Autor Thomas Schubert.

Abgesang 2.0

Ich sehe bestürzt, beschämt und voller Grausen
das einst so stolze Land der Dichter und Denker
als Unterpfand digitaler Vernichter und Lenker,
von Dieben, Schmarotzern und Kulturbanausen.

Lassen wir die Gabe, das Gut Geist so verkommen,
wird uns mehr als nur die Spur Kultur genommen,
die wir durch die Geschichte in die Zukunft flechten.
Wir enteignen uns wahrer Werte, kostbarer Rechte.

Lassen wir es zu, das reine Konsumieren von Ideen
werden keine neuen, nachhaltigen mehr entstehen.
Wir gehen der Freiheit ins Netz als wertloser Fang -
Freibeute der gedankenlosen Lust am Untergang.

Irrglaube (ein Nachtrag)
Bedingungsloser Fortschritt als Ideal vom Glück
wirft die Menschheit in die Steinzeit zurück.

© Thomas Schubert 2012



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