Musik - 09.04.12 -

Frischzellenkur mit Unterstützung der Black Keys

Dr. John: Alter Hase mit jungem Blut

Dr. John ist einer dieser alten, ehrwürdigen Haudegen des Rock and Roll, die wie guter Wein mit den Jahren immer reifer werden. Eine besondere Qualität von Mac Rebenack ist, dass er auch im hohen Alter stets bereit ist, nicht nur seine musikalischen Erfahrungen an die Jüngeren weiterzugeben, sondern im Umkehrschluss auch deren Impulse aufzunehmen und in seine Musik einfließen zu lassen. Was sich im Falle seines neuen Albums “Locked Down” als wahrer Glücksgriff erweist.

Das von Dan Auerbach produzierte Werk ist eine kongeniale Begegnung des Voodoo-Gumbo-Gebräus von Dr. John und des jungen wilden Rock And Roll Geistes der Black Keys und ergibt in der Schnittmenge ein ungeheuer erfrischendes Album. Toll, wie der vielschichtige New Orleans Sound des Alten hier durch den Einfluss von Auerbach eine neue Leichtigkeit annimmt und sich so Bewährtes in Überraschendes verwandelt, dass man seinen geliebten Dr. John sofort wieder erkennt und zugleich neu kennenlernt und entdeckt.

Gleich im Titelsong mischen sich Urwaldgeräusche mit Retro-Orgelklängen und Dr. Johns Stimme trifft auf knackige Grooves. “Revolution” marschiert mit breiten Bläserschultern durch die Tür und gönnt sich mitten im Break eine abgefahrene Orgelsalve. Allein die Idee von Auerbach, Dr. John mal vom Piano weg an die elektronischen Tasten zu verfrachten, sorgt für viel frischen Wind in der dennoch vertrauten Klangwelt des Musikers, der im vergangenen Jahr zurecht in die Rock And Roll Hall of Fame aufgenommen werden.

Die zehn Tracks strahlen allesamt einen ungeheuren Charme und große Spielfreude aus und Dr. John ist durchweg der Spaß an der Freude anzuhören. So klingt “Big Shot” wie eine Voodooverschwörung im Cabaret-Ambiente  - durchsetzt mit Ecken und Kanten, die den melodischen Schieber mit Augenzwinkern ausstatten. “Getaway” ist auch so eine verspielte Perle, die mit reichlich Rhythmik, markanten Keyboardakkorden, süffigen Riffs und wildem Gitarrensolo direkt ins Ohr geht. Pointierte Soulgrooves sorgen dafür, dass “Kingdom Of Izzness” gleich vom Auftakt weg in die Hüften und Beine fährt.

Mit “You Lie” schiebt Dr. John einen zappeligen vielschichtigen Uptempo-Blues ein, in dem unverkennbar Afrika durchs Arrangement spukt. “Eleggua” ist ein dampfender Kessel gehaltvoller Gumbo, wie man sie von Dr. John kennt, mit feiner Percussion, Schlangenbeschwörerflöte und einer Prise Geheimnis gewürzt und von Auerbach mit subtilem Gitarrenspiel veredelt. In “My Children, My Angels” bereitet der Meister uns eine emotionale Hymne mit einem filigranen Klangspektrum, das abermals von wundervoll feinsinnigem Orgelspiel geprägt ist. Und zum Schluss gibt uns der Alte mit der frohen Botschaft des optimistischen Gospels “God’s Sure Good” sogar noch einen Hoffnungsschimmer mit auf den Weg. Was will man mehr?

Äußerst kurzweilig ist das, wie man hier den reifen Dr. John in jugendlicher Ausgelassenheit erlebt. Das macht große Freude beim Zuhören und obendrein Mut fürs Alter. Leider ist das aktuelle Videomaterial nicht frei verfügbar, darum ist der Artikel mit älteren Videos bestückt, u.a. mit einem sehr schönen Duo von Dr. John mit Lou Reed. Das neue Album könnt ihr auf der Labelseite von Nonesuch Records Probe hören.

www.nitetripper.com

www.nonesuch.com/albums/locked-down



1 Kommentare zu “Dr. John: Alter Hase mit jungem Blut”

Heide am 9. April 2012 23:20

Wunderbar!

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