Musik - 07.04.12 -

The Girl Can‘t Help It

Esperanza Spalding • Radio Music Society

Auf die Frage, „… und welches Instrument spielen Sie?“ soll ja mal ein kluger Kopf geantwortet haben, „ich höre Radio!“ Immerhin, ein nicht zu unterschätzender Schallkörper für all jene, die sich nicht unbedingt virtuos an gleich mehreren Instrumenten bewegen können, wie eben Esperanza Spalding auf ihrem neuen Album „Radio Music Society“.
Die heute knapp 28 jährige erhielt schon mit 20 ihren Titel als Musikprofessorin, und so war es nur mehr als recht, dass sie für ihr 2010 erschienenes Album „Chamber Music Society“ den Grammy als beste Newcomerin erhielt – und eben nicht ein ,Pop-Produkt‘ wie Justin Bieber.
Die soeben veröffentlichte 4. Spalding Platte will die Künstlerin beinah eher als Partnerwerk zum Vorgänger-Album sehen. Denn dort, wo sie sich mehr aus dem Pool der Jazzstandards bediente, präsentiert Esperanza jetzt ihrem, sicher auch zum Teil neuen, ausserhalb der Jazz Gemeinde angesprochenem Publikum, einen  Cocktail Soul und Hip-Hop beeinflusster Eigenkompositionen und Neuinterpretationen.

 

Allen voran ,Black Gold‘ ein stolzes Statement afro-amerikanischen Zeitgeists – und nicht umsonst ist Esperanza Spalding eine der favorisierten Musikerinnen von US-Präsident Barack Obama.

Zurecht, denn die Dame schreibt nicht nur zeitkritische Texte, die sie elegant phrasierend singt wie Minnie Ripperton oder Cheryl Bentyne, vor allem aber zupft sie virtuos ihren Kontrabass, ähnlich wie einst Jaco Pastorius. So zum Beispiel bei ,Endangered Species‘, eine Komposition des ehemaligen Pastorius Bandkollegen Wayne Shorter. Kaum verwunderlich daher, dass über dem ganzen Album ein Hauch von Weather Report liegt.

Eine erstklassige Garde von Gastmusikern wie u.a. Joe Lovano, Terri Lyne Carrington und Jack DeJohnette – oder, gesanglich verstärkt durch Lalah Hathaway und Algebra Blessett – bereichern und erweitern das musikalische Spektrum des Albums ohne jedoch stilistisch auszufransen.

,I can‘t help it‘, Stevie Wonders Song, den einst auch Michael Jackson intonierte, steht da wohl bezeichnend für beide Übertalente: sie können einfach nicht anders, als genreübergreifend zu begeistern.

 



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