Musik - 18.03.12 -

Archivare der urbanen Avantgardeklänge

Stabil Elite – Die Düsseldorfer Stadtmusikanten

Ach, als gebürtiger Düsseldorfer und Liebhaber der schönen Künste muss man seine Stadt einfach lieben. Hier, wo Heinrich Heine, Joseph Beuys und Lore und Kay Lorentz gewirkt haben. Hier, wo es eine ganz besondere Musikszene gibt, die immer wieder Großes und Einzigartiges hervorbringt. Wie jetzt aktuell die junge Pop-Formation Stabil Elite, die derzeit mit ihrem Debütalbum “Douze Pouze” für Furore sorgt.

Die drei Mittzwanziger Nicolai Szymanski, Martin Sonnensberger und Lucas Croon kennen ihren Kiez und man merkt dem Trio und seiner besonderen Spielart von Pop bei aller Eigenständigkeit an, wo und wie es musikalisch sozialisiert wurde. Stabil Elite haben das Klangkarma ihrer Heimatstadt tief inhaliert, kongenial adaptiert und zu einem eigenen Sound destilliert. Von Kraftwerk, Neu und La Düsseldorf über Rheingold und Der Plan bis zu Fehlfarben und DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft). Was Ihnen extrem gut gelingt, ist die Balance zwischen der Künstlichkeit der Elektroniker und der Erdung von Punk und Neuer Deutscher Welle herzustellen und sich so wirklich vor fast allem zu verneigen, was Düsseldorf als Klangwerkstatt der Moderne auszeichnet.

Der verführerische Krautrock-Electronica-Dandy-Dance-Pop von Stabil Elite klingt, als habe ein Barkeeper in der Düsseldorfer Szenebar Salon des Amateurs einen schillernden frischen Cocktail gemixt, der wie das Albumcover naturaler und fructaler Art ist, aber die Wirkung hochprozentigen Alkohols besitzt. Ein schöner Rausch ohne Risiken und Nebenwirkungen. Apropos “Salon Des Amateurs”. Es ist mir an dieser Stelle ein besonderes Anliegen, auch noch mal auf ein weiteres Wunderwerk aus Düsseldorf zu verweisen, das unter diesem Titel im vergangenen Jahr erschien und leider nicht so in den Blickpunkt des Interesses gerückt ist. Dahinter steckt Volker Bertelmann aka Hauschka, dessen ebenfalls exzellentes Album eine hochwertige Hommage an die gastronomische Inspirationsquelle der Düsseldorfer Künstlerszene darstellt. Bitte in diesem Kontext gleich mit anhören.

Was “Douze Pouze” wirklich außerordentlich macht ist, dass dieses Album wirkt als wäre es speziell für das (durchaus ambivalente) Gefühl der Stadt designed worden. Der Sound ist cool bis zur Schickeria-Dekadenzgrenze und gleichzeitig künstlerisch wertvoll wie ein Akademieprojekt aus der Eiskellerstraße. Die Lyrik hat eine spezielle intellektuelle Codierung, in der Elemente von Dada und Konkreter Poesie zu magisch kryptischen Zeilen führen, die zu entziffern einen eigenen Reiz besitzt. Und so verstehen es Stabil Elite vortrefflich, ihren Bandnamen zum Spagat zu machen, nämlich einen Konsensklang sowohl für die stabile Szene der Ratinger Straße als auch für die vermeintliche Elite der Königsallee zu schaffen, wobei die wirkliche Elite selbstredend in der schöpferischen Kraft der Altstadt zu finden ist. In Summe hat all das eben auch den Hauch Avantgarde, der Musik aus Düsseldorf oft ausgezeichnet hat.

Habe ich es schon gesagt? Ich liebe meine Heimatstadt Düsseldorf. Für diese neuerliche Erkenntnis mein herzlicher Dank an Stabil Elite verbunden mit nachbarschaftlichen Grüßen und Wünschen für nachhaltigen Erfolg.

www.facebook.com/pages/stabil-elite/85429395769

 

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1 Kommentare zu “Stabil Elite – Die Düsseldorfer Stadtmusikanten”

Andreina am 20. März 2012 16:30

Hab ich eben entdeckt

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