Musik - 06.03.12 -

Intimes Debüt einer doch nicht ganz so Ausserirdischen

Soko, I Thought I Was An Alien

Soko Albumcover I Thought I Was An AlienEins ist schon nach den ersten Klängen von Sokos Debütalbum I Thought I Was An Alien klar, hier ist eine ganz eigenwillige Künstlerin am Werk.

Schon der Opener ‘I just want to make it new with you‘ nimmt einen in seiner ganzen Intimität gefangen. Zu einem den Young Marble Giants nicht ganz unähnlichem Flair, singt Soko über einen minimalistischen Elektrobeat: “You will discover me through my songs, learn my heartbreaks, fears and depressions… and I hope you don’t hate me by then“. Der Hörer ist also ‘gewarnt’, hier lädt jemand ein, in 15 Liedern seinen ganz intimen Musikkosmos zu erfahren. Dabei ist Soko beileibe keine verhuschte Eigenbrödlerin.

Die aus Bordeux stammende Musikern (geb. 1986 als Stéphanie Sokolinski) ist ebenso Filmschauspielerin, tourte solo aber auch mit (u.a.) M.I.A., Kate Nash und Nouvelle Vague, gründete ein eigenes Plattenlabel (Babycat Records) und ihre ersten Songs wurden schon von Stella McCartney auf deren Modenschauen in Paris gespielt. Nicht von ungefähr, denn immerhin lieferte Soko 2007 einen der ungewöhnlichsten Hits des Jahres mit I’ll kill her, in dem sie mit ihrem Ex-Freund abrechnet und unverhohlen androht, dessen neuer Perle den Garaus zu machen. Wenn auch nur als Download erhältlich, wurde dieser Song (und die dazugehörige EP Not Sokute) ausgerechnet ein Riesenhit in Dänemark und Belgien.

Doch Medienrummel und Gängeleien der Musikbranche veranlassten die Interpretin, sich 2009 überraschend zurückzuziehen und nach Los Angeles abzuwandern. Dort werkelte sie an ihrem ‘Baby’, dem nun vorliegenden, ersten Longplayer. Und der gibt einem beinah durchweg das Gefühl, als hätte Soko die meisten Songs im eigenen Wohnzimmer aufgenommen. Folkige Gitarrenklänge, sparsam getupfte Pianotöne und Sokos angenehm schnörkelloser Gesang, lassen Impressionen zu Filmen wie “Virgin Suicides” oder “Picnic am Valentinstag” aufleben.

Denn irgendwo lauert da, bei aller Mädchenhaftigkeit, etwas latent diffus Bedrohliches, was sich besonders bei ‘Don’t You Touch Me‘ im überraschenden Gebrauch eines Schlagwerks Bahn bricht. Dass ihre allesamt in Englisch getexteten Lieder mit unverkennbar französischen Akzent vorgetragen werden, tut sein Übriges zum hybriden Charme dieser Platte.

Mit einer Art ungelenkem Kinderlied (‘You Have a Power On Me’) entlässt Soko, ähnlich befremdlich wie einst Monte Cazazza mit seiner mordverheissenden Spieldosenballade Mary Bell, den Zuhörer.  Vielleicht ist Soko ja doch ein Alien?! Sollte sie weiterhin solche Alben machen, darf sie es gerne bleiben.

Ohne das uns bekannte Universum verlassen zu müssen, ist SOKO zu diesen Live-Terminen on Stage zu erleben:

31.03.2012 Berlin – Privatclub
01.04.2012 München – Ampere
02.04.2012 Wiesbaden – Schlachthof
03.04.2012 Köln – Gebäude 9
04.04.2012 Hamburg – Molotow

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