Musik - 03.03.12 -

Bretonne

Nolwenn Leroy liefert Fabulöses aus dem Finistère

nolwenn leroy bretonneDass sich auch Frankreich von Endemol initiierten Castingshows faszinieren lässt, gehört sicher zu einem, beinah weltumspannenden, Zeitphänomen der Musikindustrie. Im Gegensatz aber zu den, sich meist an Häme orientierenden, deutschen Shows, geben Teilnehmer an französischen Casting-Klassikern wie “Star Academy” (liebevoll ‘Star Ac’ genannt) wie Nolwenn Leroy schon durch ihr gesangliches Können eher weniger Anlass dazu.

Nolwenn Leroy, Gewinnerin der 2. Staffel Star Academy von 2002, hat alles, was eine Siegerin haben muss, telegen-sympathisches Auftreten aber vor allem ein gute Stimme. Und so blieb auch Nolwenn Leroy, wie den meisten Gewinnern von ‘Star Ac’, ein ephemeres Leuchten am Pophimmel erspart. Ihre ersten beiden Alben “Nolwenn” (2003) und “Histoires Naturelles” (2005) verkauften sich in frankophonen Gefilden zurecht prächtig.

Nolwenn Leroy ©Muriell LeroyDie Zusammenarbeit mit dem färöer Künstler Teitur Lassen auf Nolwenns  drittem Album (“Le Cheshire Cat & Moi“, 2009) schien dem breiteren Publikum wohl doch zu individuell.

Aber Madame Leroy ließ sich nicht beirren – im Gegenteil, sie besann sich ihrer bretonischen Wurzeln (geboren in Saint-Renan, Finistère) und nahm sich Lieder der Bretagne sowie von Miossec, Alain Souchon und dem Altmeister bretonischer Klänge Alain Stivell, neukomponierter Chansons mit keltischem Flair an.

Da bretonische Volksweisen nicht gerade Futter für die Charts bedeuten, hätte das Album “Bretonne” bestenfalls ein Kassenschlager an den Souvenirläden am Cap Fréhel bedeuten können. Wundersamerweise aber erklomm das Werk schon kurz nach seiner Veröffentlichung, im Dezember 2010, die Spitze der französischen Charts, wo es sich für 7 Wochen behaupten konnte und sich seitdem in den Top 50 platziert.

Grund dafür mag die Stilmischung des Dargebotenen sein: ‘Karantez Vor’ (Die Liebe zum Land) mit wunderbar romantischen Klängen oder derb erotischer Humor wie bei ‘Suite Sudarmoricaine’, in dem ein junger Liebhaber den Verlust seines Geschlechtsteils beklagt.

Die Adaption der irischen Ballade, ‘Mná na hÉireann‘ (eine Hommage aus dem 18. Jahrhundert von Peadar Ó Doirnín an die irischen Frauen, die furchtlos an der Seite ihrer Männer für die irische Unabhängigkeit kämpften), wurde unlängst im Soundtrack der filmischen Adaption von “Die Rache der Wanderhure” integriert. Möglich, dass deshalb “Bretonne”, in einer erweiterten ‘Deluxe Edition’, endlich auch auf dem deutschen Markt erhältlich ist.

Allein schon das Eröffnungslied ‘Tri Martelod‘ (Drei Seemänner) mit seinem hymnischen Stolz oder der mittelalterlich anmutende Tanzhit ‘La jument de Michao’ (Die Stute von Michao), schlagen den Zuhörer sofort in ihren Bann.

Da hätte man getrost auf Bonus Tracks wie ‘Whiskey in the jar’, ‘Moonlight Shadow’ oder ‘Amazing Grace’ verzichten können, denn diese kommen eh nur wie kitsch-keltische Schlager aus dem Auenland daher. Dem Originalkonzept aber tut das keinen Abbruch, eine fabulös-musikalische Visitenkarte aus dem Finistère.
Mat-tre, yec’hed mat!

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