Musik - 26.02.12 -

Gary Moore gewidmetes Blues-Juwel

Otis Taylor – Klares Pro für diese Contraband

“In memory of Gary Moore 1952 – 2011″. Da hat die Intuition des Ohrtrommlers mal wieder gestimmt, dass Otis Taylor sein neues Album “Contraband” wohl mit einer Widmung für den im Vorjahr verstorbenen Blues-Freund versieht. Und dieser musikalische Nachruf von Taylor auf Moore ist aller Ehren und Würden wert. Der Erneuerer des Blues liefert zum x-ten Mal ein Klassewerk ab und beweist, dass er derzeit das Maß der Dinge in diesem Genre ist.

Der Start könnte vielversprechender nicht sein. “The Devil’s Gonna Lie” saugt einen mit zuerst dräuenden, dann fetzigen Bläsern, mit kernigen Orgelphrasen und souligem Chor sofort ins Album – ein Track von ungeheurer Dichte. Danach wechselt Taylor in Mali-Blues ähnliche Gefilde. “Yell Your Name” atmet leichten Wüstenstaub, ist aber ganz und gar nicht trocken, sondern besitzt afrikanische Verspieltheit und Leichtigkeit und wird gekrönt von freigeistig jazzigem Trompetenspiel. Nur zwei Songs und schon hat dieser Bluesmagier wieder Kontinente durchschritten und seine stilistische Bandbreite und Spannweite angedeutet.

Und so reiht sich auf “Contraband” ein Höhepunkt an den nächsten. Das hypnotische “Look To The Side” macht dem Begriff Trance Blues alle Ehre, den Otis Taylor geprägt hat. Der ganze Song ein einziger Sog – phantastisch! Dieses magische Momentum weiß augenblicklich im Blues nur der “weiße Afrikaner” zu erzeugen. Selbst ein Bluesrocker wie “Romans Had Their Way” gerät Taylor nicht gewöhnlich so wie er ihn mit percussivem Latin-Feeling anreichert. Ganz wundervoll die berührende, mit warmherzigen Streichern durchsetzte und lyrischer Trompete veredelte Ballade “Blind Piano Teacher”, die unweigerlich innere Bilder hervorruft und ein Porträt der blinden Klavierlehrerin in der eigenen Vorstellung zeichnet. Unverzichtbar im Blueskosmos von Taylor ist das Banjo, das sich im “Banjo Boogie Blues” erstmals zu Wort meldet. “2 or 3 Times” präsentiert ursprüngliche authentische Rootsmusic, als würde der Musiker gerade von den Baumwollfeldern heimkehren und im Kreise der Familie ein sanftmütiges Klagelied anstimmen. Der Titelsong “Contraband Blues” ist ein auf Rockrhythmen dahin schwebender fliegender Teppich mit seinen orientalischen Ornamenten. In “Lay On My Delta Bed” erweitert Otis Taylor sein ureigenes Banjorevier um ein weiteres heimatlos streunendes Exemplar. Und dann plötzlich wandelt er genial auf den Spuren von John Lee Hooker. “Your 10 Dollar Bill” hat diese schleppende Schwere und sommerschwüle Atmosphäre, die das Markenzeichen der großen Blueslegende war. Taylor beherrscht diese Stimmung bis ins kleinste Detail ohne auch nur in die Nähe eines Kopisten zu geraten. Fabelhaft!

Bei “Open These Bars” möchte man ins Flehen mit einstimmen und sich auf eine Flasche Bourbon mit dem
Magier verabreden, bis man mit dem Flaschengeist per Du ist. “Yellow Car, Yellow Dog” stimmt zum dritten Mal das Banjo auf Wehklagen mit Sahara-Flair, in das sich eine Countryfiddle mischt als gelte es Afrika und den Wilden Westen miteinander zu versöhnen. Konterkariert wird dieser Gedanke gleich durch “Never Been To Afrika”, das sich den Geist eines Springsteen-Amerika zu eigen macht. “I Can See You’re Lying”, der vierzehnte und letzte Song dieses abermals großartigen, vielschichtigen Albums verabschiedet den staunenden Hörer mit einem fiebrigen, wieder leicht Latin angehauchten Bluesrocker, der mit seinen Gitarrenläufen nach Gary Moore zu rufen scheint.

Ein Leben ohne Otis Taylor kann man sich als Bluesliebhaber schlicht nicht mehr vorstellen. Ich verbeuge mich vor diesem Zauberer!

www.otistaylor.com



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